Das Democratic Resilience Center – gesamtgesellschaftliche und politische Resilienz: Eine universitäre Antwort auf die Polykrise1
The Democratic Resilience Center – Societal and Political Resilience:
A University Response to the Polycrisis
Charalampos B. Karpouchtsisa, Gary S. Schaala, Jill A. Longa
1 Genderhinweis: Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel ganz überwiegend das generische Maskulinum verwendet. Die in der Arbeit verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.
a Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr, Hamburg
Zusammenfassung
Der Beitrag beleuchtet die Entstehung und die Arbeit des Democratic Resilience Centers an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg. Er skizziert die theoretischen und operationellen Grundlagen und verbindet demokratische Resilienz mit der Gesundheitsversorgung und der Wehrmedizin.
Schlüsselwörter: demokratische Resilienz, Krise, Nationale Sicherheitsstrategie, System-of-Systems, Deutschland, Europa
Summary
This article examines the establishment and activities of the Democratic Resilience Center at Helmut Schmidt University/University of the Federal Armed Forces Hamburg. It sets out the Center’s theoretical and operational foundations and explores the relationship between democratic resilience, healthcare provision, and military medicine.
Keywords: democratic resilience; crisis; national security strategy; system-of-systems; Germany; Europe
Einleitung und Hintergrund
In Zeiten einer sich verschärfenden Polykrise, geprägt von geopolitischen Spannungen, klimatischen Extremereignissen, digitaler Transformation, Desinformation und gesellschaftlicher Polarisierung, stehen Politik und Gesellschaft nicht nur vor sicherheitspolitischen, sondern auch vor systemischen Herausforderungen [10]. Sicherheit ist in diesem Kontext als systemische und gesellschaftlich verankerte Dimension zu verstehen, die über die Funktionen des Bundesministeriums der Verteidigung hinausgeht und die Interdependenz politischer, sozialer, technologischer und kultureller Systeme einschließt [5] – im Sinne eines „Whole-of-Society“-Ansatzes. Die Bundeswehr ist dabei nicht nur operativer Akteur, sondern auch integrierter Bestandteil eines komplexen, vernetzten Sicherheitssystems, dessen Stabilität von der Resilienz der Zivilgesellschaft, der Funktionsfähigkeit demokratischer Institutionen und der Vertrauensbasis zwischen Bevölkerung und Staat abhängt. Ähnlich verhält es sich mit der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und der Truppe, insbesondere im Ernstfall.
Angesichts der komplexen Bedrohungslage, insbesondere des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, des Einflusses von Desinformation und Medieninhalten auf die Bürgerinnen und Bürger sowie einer fortschreitenden Stärkung von extremistischen Parteien in ganz Europa [9] und der Verhaltensänderung von internationalen Partnern wurde die Idee eines Forschungszentrums geboren. So wurde im Dezember 2024 das Democratic Resilience Center (DRC) an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr gegründet. Das Zentrum ist fakultätsübergreifend und interdisziplinär ausgerichtet. Die Aktivitäten des DRC werden von einem zwölfköpfigen Leitungsteam getragen, das aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen mit Expertise in Politikwissenschaft, Soziologie, Sicherheitsforschung, Psychologie, Wirtschaft, Künstlicher Intelligenz, Geschichte und Kognitionswissenschaft besteht. Das Team ist verantwortlich für die strategische Ausrichtung der Forschung, die Sicherstellung methodischer Qualität und die Koordination der Projekte. Getragen wird das Zentrum von der Annahme, dass demokratische Resilienz nur interdisziplinär erforscht und gestützt werden kann. Die Arbeit des Zentrums erfolgt auf der Grundlage empirischer Daten und interdisziplinärer Ansätze, um Erkenntnisse zu gewinnen, die für die Analyse und Stärkung demokratischer Resilienz in komplexen, sich verändernden Kontexten relevant sind. Ziel ist es eine wissenschaftlich fundierte Plattform für die Analyse und Stärkung der gesellschaftlichen, institutionellen und individuellen Grundlagen demokratischer Systeme, insbesondere in Krisen- und Spannungssituationen, zu sein. In diesem Artikel wird das Democratic Resilience Center vorgestellt und die Verbindung zur Wehrmedizin sowie zur Gesundheitsversorgung hergestellt.
Theoretischer Rahmen und „Resilienz“-Ansatz
Der Ansatz: System-of Systems
Der Ansatz des DRC basiert auf einem System-of-Systems-Verständnis demokratischer Resilienz. Unter System-of-Systems versteht man ein komplexes Gesamtsystem, das sich aus mehreren eigenständigen, miteinander interagierenden Teilsystemen zusammensetzt. Dieses Konzept ermöglicht es, spezifische Teilbereiche analytisch zu trennen und voneinander abzugrenzen, gleichzeitig aber ihre wechselseitigen Verbindungen sowie ihre Einbettung in ein übergeordnetes demokratisches Gesamtsystem sichtbar zu machen [4].
Beispiel: Gesundheitswesen
Ein anschauliches Beispiel bietet das Gesundheitswesen. Die körperliche und psychische Resilienz eines Menschen hängt nicht allein von individuellen Faktoren wie Immunstärke, Stressbewältigung oder Lebensstil ab. Sie ist ebenso abhängig von der Qualität der medizinischen Versorgung, der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur sowie den sozialen und ökonomischen Bedingungen, in denen Menschen leben. Nehmen wir beispielhaft die Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen: Individuelle Gesundheitskompetenz, also die Fähigkeit, medizinische Informationen zu verstehen, Risiken einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen, beeinflusst maßgeblich, wie gut Menschen mit Krankheiten umgehen können. Gleichzeitig wirkt diese individuelle Kompetenz kumulativ auf die Gesellschaft. Sie bestimmt, wie belastbar ein Gesundheitssystem ist, wie effektiv Präventionskampagnen greifen und wie sich öffentliche Debatten über Gesundheitspolitik entwickeln. Damit stehen Individuum, medizinische Versorgung, gesellschaftliche Strukturen und politische Entscheidungen in einem dynamischen Verhältnis wechselseitiger Abhängigkeit. In einer System-of-Systems-Perspektive ist Resilienz somit multidimensional, dynamisch und integrativ, wobei medizinische, soziale und politische Systeme gemeinsam die Widerstandsfähigkeit von Menschen und Gesellschaften formen.
Politischer und normativer Ansatz
Neben dem System-of-Systems-Verständnis steht der politische und normative Ansatz der demokratischen Resilienz. Demokratische Resilienz bezeichnet die Fähigkeit von Demokratien, unter Druck – insbesondere durch externe Bedrohungen, interne Polarisierung, Informationsmanipulation oder institutionelle Überlastung –, ihre grundlegenden Strukturen, Werte und Funktionsfähigkeit zu bewahren und sich gleichzeitig an veränderte Bedingungen anzupassen [7]. Nicht nur die Bundesrepublik Deutschland, sondern auch Demokratien weltweit stehen unter internem wie externem Druck. Daher besitzt Resilienz, also die Fähigkeit, nach einem Rückschlag weiterhin zu funktionieren und sich zu erholen, auch eine eminent politische Dimension. Es ist das demokratische System, das Menschenrechte, bürgerliche Freiheiten sowie wissenschaftliche Freiheit, Freihandel, Frieden und Sicherheit in Europa und in weiten Teilen der Welt gewährleistet hat [8]. In der deutschen nationalen Sicherheitsstrategie werden die internationale regelbasierte Ordnung und die interne freiheitliche, demokratische Grundordnung unmittelbar miteinander verbunden und in gegenseitiger Abhängigkeit dargestellt [1]. Daraus wird sowohl das Konzept der demokratischen Resilienz hergeleitet als auch die Verbindung zwischen dem nationalen und dem internationalen System im Rahmen des System-of-Systems-Ansatzes sichtbar. Ähnlich verhält es sich mit der Gesellschaft, die aus einer Vielzahl von Systemen besteht. Dies führt zu unseren methodischen Grundannahmen und zur Operationalisierung des DRC.
Methodische Ansätze und Operationalisierung
Der System-of-Systems-Ansatz formt drei analytische Ebenen, die miteinander verbunden sind:
- Die Mikroebene fokussiert sich auf individuelle, kognitive, affektive und verhaltensbezogene Faktoren.
- Die Mesoebene geht auf organisatorische, institutionelle und zivil-militärische Systeme ein.
- Die Makroebene konzentriert sich auf politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, technologische und informationsbezogene Systeme.
Diese Ebenen sind in vier Forschungsclustern organisiert, wobei Cluster IV „Künstliche Intelligenz“ als transversales Element alle Cluster durchdringt.
Das erste Cluster „Staat und Governance“ umfasst politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilbereiche, die durch gemeinsame demokratische Werte, Institutionen, Theorieansätze und Narrative miteinander verbunden sind. Dies gilt sowohl im nationalen Rahmen als auch im internationalen Kontext, in dem Organisationen wie NATO und EU gemeinsame Maßstäbe für Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit und kollektives Handeln setzen. In diesem Cluster werden insbesondere theoretische und analytische Ansätze entwickelt, um die komplexen, nichtlinearen Wechselwirkungen, emergenten und kaskadierenden Effekte zwischen diesen Teilbereichen zu verstehen. Ziel ist es, kritische Elemente zu identifizieren, die zur Stärkung der demokratischen Resilienz beitragen. Dies erfordert eine interdisziplinäre Analyse, die die globalen Verflechtungen und deren Auswirkungen auf demokratische Systeme systematisch in den Blick nimmt [2].
Das zweite Cluster „Führung und Organisation“ widmet sich der Resilienz in Arbeit, Organisationen und Wirtschaft. Hier werden das Zusammenspiel zwischen Individuen, Führung und Institutionen sowie die Verhaltensweisen und institutionellen Prozesse, die Resilienz schaffen, untersucht. Forschungsprojekte zielen darauf ab, die zivil-militärische Zusammenarbeit zu stärken, die Qualität und Resilienz am Arbeitsplatz zu verbessern und Führungskräfte bei der Bewältigung des digitalen Wandels zu unterstützen [6]. So wird angestrebt, ein umfassendes Verständnis der Resilienz in komplexen Systemen zu erlangen und konkrete Lösungen für die Herausforderungen der heutigen Zeit zu entwickeln.
Im dritten Cluster „Individuen und Kompetenzen“ rückt die Mikroebene demokratischer Resilienz in den Fokus. Untersucht werden hier vor allem individuelle Kompetenzen und Voraussetzungen, durch die Menschen konstruktiv mit Unsicherheit, Belastung und gesellschaftlichen Konflikten umgehen können. Das Cluster analysiert, wie Fähigkeiten wie Selbstregulation, kognitive Flexibilität, Emotionsregulation, Impulskontrolle und zielgerichtetes Handeln eine psychologische Grundlage für demokratische Resilienz bilden. Menschen, die sich als handlungsfähig, kompetent, wertgeschätzt und entwicklungsfähig erleben, beteiligen sich eher an sozialen und institutionellen Prozessen, übernehmen Verantwortung und handeln auch unter Druck eher konstruktiv [3].
Cluster IV „KI und Digitalisierung“ untersucht die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) und der Digitalisierung für die demokratische Resilienz. Das politische System ist von digitalen Infrastrukturen, KI-gestützter Informationsverarbeitung und der Fähigkeit abhängig, komplexe technische Systeme unter Unsicherheit zu steuern [11]. Das Cluster fungiert dabei nicht als eigenständiges technisches Forschungsfeld, sondern wirkt querschnittlich über die Mikro-, Meso- und Makroebene des DRC hinweg und verbindet die Resilienzforschung mit dem KI-Schwerpunktbereich KI@Bw der Helmut-Schmidt-Universität. Die Forschungsprojekte verbinden Software, Sensoren, Aktoren und physikalische Prozesse in integrierten technischen Umgebungen. Die Zusammenarbeit ermöglicht es, Resilienzanforderungen in die Entwicklung von KI-Methoden zu integrieren und zugleich Antizipation, Entscheidungsunterstützung und Anpassungsfähigkeit zu stärken.
Der Aufbau des DRC und die jeweiligen Cluster ermöglichen die Aufteilung und Untersuchung der Resilienzfaktoren auf Mikro-, Meso- und Makroebene. Gleichzeitig schaffen die jeweiligen Verantwortlichen (Principal Investigators und Leads) sowie der stetige Austausch Raum, für interdisziplinäre Zusammenarbeit und Forschung (Abbildung 1). Die Zuordnung zu den vier Clustern folgt der Logik der Arbeitsorganisation. Die Umsetzung in der Forschung überwindet die Silobildung und verbindet die Cluster analytisch.
Abb. 1. Struktur des DRC, Stand Sommer 2026
Internationale Zusammenarbeit, Trainings und politische Bildung
Das DRC hat ein internationales Netzwerk aus Hochschulen, Organisationen und öffentlichen Institutionen aufgebaut, um Forschung, Lehre und Wissenstransfer zur demokratischen Resilienz zu stärken. Im Mittelpunkt stehen Kooperationen zu Desinformation, demokratischer Erosion, strategischer Entscheidungsfindung sowie zur Entwicklung von Prognosemodellen für demokratische Stabilität. Dabei werden politische Handlungsoptionen zur Stärkung demokratischer Resilienz entwickelt und Ansätze zur Bekämpfung von Desinformation erprobt.
Darüber hinaus beteiligt sich das DRC an internationalen Forschungsverbünden. Die Projekte untersuchen insbesondere die Wechselwirkungen zwischen kritischer Infrastruktur, gesellschaftlicher Stabilität und nationaler Sicherheit sowie die Anwendung von Methoden der politischen Risikoanalyse und strategischen Vorausschau.
Das internationale Fellowship-Programm ist ein weiterer zentraler Baustein der Internationalisierungsstrategie des DRC. In interdisziplinären und internationalen Forschungsteams bearbeiten die Fellows Fragen gemeinsamer demokratischer Werte, entwickeln KI-gestützte Vorhersagemodelle zur Analyse demokratischer Resilienz, identifizieren globale Bedrohungen für Demokratien und konzipieren innovative Bildungs- und Simulationsformate. Ferner untersuchen sie die Bedeutung zivil-militärischer Zusammenarbeit und Krisenvorsorge für die Stabilität demokratischer Systeme. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit demokratischer Gesellschaften gegenüber gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu stärken.
Trainings und politische Bildung bilden eine zentrale Transfertätigkeit des DRC, da demokratische Resilienz nicht allein von institutionellen Strukturen, sondern auch von den Kompetenzen und dem Handlungsvermögen gesellschaftlicher Akteure abhängt. Hierzu entwickelt das Zentrum innovative Lehr- und Trainingsformate, darunter Szenarioübungen, Simulationen, Serious Games und internationale Kursprogramme, die strategisches Denken, Entscheidungsfähigkeit und den Umgang mit komplexen Krisenlagen fördern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sensibilisierung für Herausforderungen wie Desinformation, hybride Bedrohungen und demokratische Erosionsprozesse. Ein weiterer, besonders für die deutsche Bildungslandschaft relevanter Bereich ist die politische Bildung, sei es im Rahmen der Inneren Führung der Bundeswehr oder im Kontext von Bildungshäusern, Stiftungen und gewerkschaftspolitischen Trägern. Durch die enge Verknüpfung von Forschung, Lehre und Praxis schafft das DRC Lernmöglichkeiten, in denen sich Teilnehmende mit demokratischer Resilienz theoretisch wie praktisch auseinandersetzen können. So soll die Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit der demokratischen Gesellschaft nachhaltig erhöht werden.
Gesundheit, Infrastruktur und strategische Vorausschau für Resilienz
Medizin und Gesundheit bilden eine zentrale Dimension gesellschaftlicher Resilienz, da die Fähigkeit einer Gesellschaft, auf Krisen, Katastrophen und sicherheitspolitische Herausforderungen zu reagieren, wesentlich von der Leistungsfähigkeit ihrer Gesundheitssysteme abhängt. Die Wehrmedizin bewegt sich an der Schnittstelle von Gesundheit, Sicherheit und gesellschaftlicher Stabilität und verbindet zivile und militärische Perspektiven auf Resilienz. Fragen der Versorgungssicherheit, der Widerstandsfähigkeit kritischer medizinischer Infrastrukturen, der Krisenvorsorge und der Aufrechterhaltung medizinischer Leistungen unter Extrembedingungen betreffen gleichermaßen die staatliche Handlungsfähigkeit und die gesellschaftliche Stabilität. Zugleich rückt die Rolle des medizinischen Personals in den Mittelpunkt, dessen Ausbildung, Entscheidungsfähigkeit und interprofessionelle Zusammenarbeit wesentliche Voraussetzungen für die Bewältigung komplexer Krisenlagen darstellen. Zudem spielen vermehrt Infrastruktur und Gerät eine zentrale Rolle, sei es, um bei extremer Hitze oder Unwetterkatastrophen aktiv zu helfen, zu informieren oder dem Ernstfall vorzubeugen.
Die enge Verzahnung ziviler und militärischer Akteure im Gesundheitssektor, etwa bei Pandemien, Großschadensereignissen oder hybriden Bedrohungen, verdeutlicht, dass medizinische Belastbarkeit weit über die klinische Versorgung im engeren Sinne hinausgeht. Aus systemischer Perspektive umfasst diese Dimension sowohl die Gesundheitslage als operative Fähigkeit militärischer Kräfte als auch die zivil-militärische Reaktionsfähigkeit in Krisensituationen. Sie bezieht sich auf die Kontinuität der medizinischen Versorgung unter degradierten Bedingungen sowie auf eine vorausschauende Vorbereitung und Ausbildung vor dem Eintritt einer Krise, die es ermöglicht, vorhandene Kapazitäten im Bedarfsfall rasch zu erhöhen (Surge Capacity). Zugleich geht es um die Sicherstellung einer Versorgung unter Bedingungen ausgeprägter Ressourcenknappheit sowie um die Resilienz medizinischer Lieferketten, damit essenzielle Güter und Leistungen auch unter Stress verfügbar bleiben. Ergänzend rücken die Qualität des Lagebildes und des Krankheitsmonitorings, die Risikoreduktion durch leistungsfähige öffentliche Gesundheitsdienste sowie koordinierte Entscheidungsprozesse und verlässliche Frühwarnsysteme in den Blick.
Ebenso zentral sind ein robuster Informationsfluss und Mechanismen zur Bekämpfung von Desinformation, eine reflektierte ethische Entscheidungsfindung sowie die Belastbarkeit kritischer Gesundheitsinfrastrukturen. Zusammengenommen eröffnen diese Elemente eine breite Forschungsperspektive, in der medizinische Infrastruktur, Personal, Führung, Ausbildung, Krisenmanagement und zivil-militärische Zusammenarbeit als eng miteinander verknüpfte Bestandteile gesellschaftlicher Resilienz verstanden werden.
Dies wiederum hängt mit strategischer Vorausschau und Vorbereitung zusammen. Das DRC fokussiert hierbei auf den Ausbau der Fähigkeiten zur strategischen Vorschau. Sie nutzt methodisch fundierte Verfahren – etwa Szenarienplanung, Horizon Scanning oder Delphi-Befragungen –, um mittel- bis langfristige, alternative Zukunftsbilder zu entwerfen und daraus Handlungsoptionen für die Gegenwart abzuleiten. Ziel ist es, die Resilienz von Systemen zu erhöhen, Gestaltungsspielräume zu identifizieren und die Zukunft dort, wo möglich, aktiv zu formen.
Strategische Vorschau als praxisorientiertes Instrument
Unser Ansatz der strategischen Vorausschau besteht darin, plausible zukünftige Szenarien zu spezifizieren, die sowohl positive als auch negative Entwicklungspfade abbilden. Wir entwerfen systematisch unterschiedliche Zukünfte, von bestmöglichen („positive“) über herausfordernde bis hin zu disruptiven („negative“) Szenarien, und analysieren, welche Konsequenzen sich aus diesen Bildern für demokratische Systeme, Sicherheit und gesellschaftliche Resilienz ergeben. Auf dieser Grundlage leiten wir konkrete Implikationen für die Gegenwart und den mittelfristigen Horizont von etwa fünf Jahren ab. Diese Ableitungen dienen dazu, heutige Strukturen, Entscheidungsprozesse und Ressourcen so auszurichten, dass sie gegenüber zukünftigen Schocks, Krisen und Transformationen widerstandsfähiger werden und zugleich Chancen besser nutzen können.
Damit wird strategische Vorausschau nicht als abstrakte Zukunftsspekulation verstanden, sondern als praxisorientiertes Instrument: Die Szenarien fungieren als Denk- und Testfelder, auf denen wir Maßnahmen, Reformoptionen und Investitionsentscheidungen hinsichtlich ihrer Resilienzwirkung prüfen. Indem wir systematisch fragen, wie sich verschiedene plausible Zukünfte auf die nächsten fünf Jahre auswirken könnten, entwickeln wir robuste Strategien, die die Anpassungsfähigkeit demokratischer und sicherheitspolitischer Institutionen stärken.
Literatur
- Bundesregierung. Nationale Sicherheitsstrategie: Wehrhaft. Resilient. Nachhaltig. Integrierte Sicherheit für Deutschland. [Internet]. Bundesregierung 2023 [letzter Zugriff: 1. August 2026]; verfügbar unter: https://www.bmvg.de/resource/blob/5636374/38287252c5442b786ac5d0036ebb237b/nationale-sicherheitsstrategie-data.pdf. mehr lesen
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- Schraven J, Windmann A, Niggemann O. MAWIFlow Benchmark: Realistic Flow-Based Evaluation for Network Intrusion Detection. In: 12th International Conference on Information Systems Security and Privacy; Marbella, Spain; 2026. mehr lesen
Manuskriptdaten
Zitierweise
Karpouchtsis CB, Schaal GS, Long JA. Das Democratic Resilience Center – gesamtgesellschaftliche und politische Resilienz: Eine universitäre Antwort auf die Polykrise. WMM 2026;70(10):500-504.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-979
Für die Verfasser
Charalampos Babis Karpouchtsis
Democratic Resilience Center
Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg
Holstenhofweg 85, 22043 Hamburg
E-Mail: karpoucc@hsu.hamburg
Manuscript data
Citation
Karpouchtsis CB, Schaal GS, Long JA. [The Democratic Resilience Centre – Societal and Political Resilience: A University Response to the Polycrisis]. WMM 2026; 70(10):500-504.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-979
For the Authors
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