Sonografie in der Hämatologie und in der internistischen Onkologie
Ultrasound in Hematology and Internal Oncology
Lars Uwe Stephana, Nicole Müllera
a Klinik für Innere Medizin, Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Zusammenfassung
Die Sonografie ist eine in der Hämatologie und internistischen Onkologie anerkannte Untersuchung, die vielfältige Optionen bietet, aber auch bestimmte Einschränkungen hat, die im klinischen Alltag berücksichtigt werden müssen. Die Verwendung der Sonografie muss dabei unter Berücksichtigung der spezifischen Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren, insbesondere zu den unterschiedlichen radiologischen und nuklearmedizinischen Schnittbildgebungsverfahren, erfolgen.
Als Limitationen der Methodik müssen zum einen die eingeschränkte Übersicht und zum anderen die Schallauslöschungen durch Luft und Knochen genannt werden. Außerdem weist die Methodik eine ausgeprägte Untersucherabhängigkeit auf. Demgegenüber sind als Vorteile vergleichsweise geringe Kosten, ubiquitäre Nutzbarkeit, fehlende Strahlenbelastung sowie eine hohe Ortsauflösung und die Realtime-Darstellung bewegter Strukturen (z. B. Darm, Herz, Lunge) zu nennen. Zudem wären histologische Sicherungen ohne sonografisch-gestützte Verfahren heutzutage kaum denkbar, was in Zeiten von zunehmender histopathologischer und molekularer Diagnostik wichtiger denn je ist.
Schlüsselwörter: Sonografie, Hämatologie, Onkologie, Histologie
Summary
Ultrasound is a well-established imaging modality in hematology and internal oncology, offering many possibilities. However, there are certain limitations that must be considered. Ultrasound has specific features compared with other imaging procedures. Limitations include limited overview and attenuation by air and bone. Furthermore, there is a pronounced dependence on the examiner. In contrast, there are various advantages, including low costs, ubiquitous usability, no radiation exposure, high spatial resolution, and real-time image generation. Moreover, it is an essential part of pathological confirmation.
Keywords: sonography; hematology; oncology; histology
Einleitung und Hintergrund
Sonografische Untersuchungen sind heute ein essenzieller Bestandteil der Diagnostik in der Hämatologie und Onkologie. Am Bundeswehrkrankenhaus Berlin werden sie vom erfahrenen Ultraschall-Team mit DEGUM Stufe 3 durchgeführt und bilden eine wichtige Grundlage für die Diagnostik und Behandlung maligner Erkrankungen. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig, wenngleich sie spezifischen Limitationen unterliegen.
Konkret sind histologische Sicherungen, differenzialdiagnostische Erwägungen als ergänzende Verfahren zur klassischen Schnittbildgebung oder strukturierten Verlaufskontrollen und Nachsorgen heutzutage ohne die Sonografie nicht denkbar. Dabei entwickelte sich diese in den letzten Jahren, simultan zu allen anderen bildgebenden Verfahren, sukzessive weiter. So bieten in der Ultraschalldiagnostik die deutlich verbesserte Bildqualität, neuere hochsensitive Dopplerverfahren zur Darstellung der Mikrovaskularisation, die Kontrastmittelsonografie oder elastografische Verfahren auch neue Möglichkeiten in der Beurteilung neoplastischer Erkrankungen. Im Gleichschritt haben sich die diagnostischen und therapeutischen Verfahren der Endosonografie weiterentwickelt, was insbesondere bei gastrointestinalen Tumoren und im palliativmedizinischen Bereich zu stetigen Verbesserungen der klinischen Versorgung geführt hat. Exemplarisch soll diesbezüglich die am Bundeswehrkrankenhaus Berlin gut etablierte endosonographisch-gestützte Gastroenterostomie erwähnt werden, die sich im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren bei malignen intestinalen Obstruktionen als überlegen erwies [1].
Vorteile der Sonographie in der Onkologie
Die Vorteile der Methode begründen den Stellenwert der Sonografie in der Hämatologie und internistischen Onkologie. Zum einen sind dies die fehlende Strahlenbelastung, die niedrigen Kosten sowie die ubiquitäre Verfügbarkeit. Aufgrund dieser Eigenschaften ist die Sonografie exemplarisch ein hervorragendes Instrument für strukturierte Nachsorgeuntersuchungen, beispielsweise bei Lymphomen, welche zum großen Teil in ambulanten onkologischen Schwerpunktpraxen erfolgen (Abbildung 1). Ein weiterer relevanter Vorteil ist die hohe Ortsauflösung, insbesondere oberflächennaher Strukturen, welche unter anderem bei der Differentialdiagnostik von Lymphadenopathien eine große Rolle spielt. Die ergänzende Beurteilung des Vaskularisationsmusters durch Hinzunahme des Farb-Doppler-Modus, ebenso wie die Einführung der Elastografie haben in der Beurteilung von Lymphadenopathien die differentialdiagnostische Einschätzung deutlich verbessert (Abbildungen 2 und 3). Unnötige invasive Maßnahmen lassen sich auf diese Weise minimieren [2][3][4].
Abb. 1: Darstellung der unauffälligen Vaskularisation eines reaktiven Lymphknotens axillär links mittels
(A) farbkodierter Dopplersonografie und
(B) mittels Superb Microvascular Imaging (SMI), einer neuen, hochsensitiven Doppler-Technologie
(Bildrechte: Michael Ludwig).
Abb. 2: Pathologische Vaskularisation eines Lymphknotens supraclaviculär rechts: Im Powerdoppler zeigen sich irreguläre periphere Tumorgefäße, hier bei einer Lymphknotenmetastase eines Lungenkarzinoms (NSCLC). (Bildrechte: Michael Ludwig).
Abb. 3: Pathologischer Befund in der transienten Elastografie eines verhärteten cervicalen Lymphknotens, hier bei Metastase durch ein Nierenzellkarzinom
(Bildrechte: Michael Ludwig).
In geübten Händen kann durch die exakte Lokalisierung und Binnendifferenzierung von zu bioptierenden Strukturen die Rate einer erfolgreichen histologischen Sicherung optimiert werden. Generell muss dabei klargestellt werden, dass aufgrund der geringen Invasivität und guten Verfügbarkeit ein Großteil der histologischen Sicherungen – auch bei Lymphomen – heutzutage Sonografie-gestützt erfolgt und ohne diese Technik ein klinischer Alltag in der Hämatologie und internistischen Onkologie nicht mehr denkbar wäre. Für ein möglichst erfolgreiches Vorgehen ist dabei die richtige Wahl der Nadel sowie eine optimierte Punktionsstrategie zu beachten [5][6]. Insbesondere da molekularpathologische Untersuchungen immer mehr zunehmen und Verlaufsbiopsien nach etwaigen Vortherapien bei vielen hämato-onkologischen Erkrankungen mittlerweile als State-of-the-Art bezeichnet werden müssen (Abbildung 4).
Abb. 4: (A) Fokale Lymphadenopathie (Pfeile) in einem ansonsten morphologisch unauffälligen inguinalen Lymphknoten
(B) Die Sonografie-gestützte Biopsie bestätigt den Verdacht: Erstdiagnose eines Mantelzell-Lymphoms.
(Bilder M. Ludwig)
Auch lokal-therapeutische Verfahren, wie beispielsweise die Brachytherapie, erfolgen je nach Zentrum teilweise Sonografie-gestützt, sodass der Stellenwert nicht nur in der Diagnostik, sondern auch bei therapeutischen Verfahren besteht. Eine weitere Stärke der Sonografie ergibt sich durch Hinzunahme von Kontrastmittel (CEUS – „contrast enhanced ultrasound“), wodurch sich durch Beurteilung des Kontrastmittel-Verhaltens vor allem hepatische und lienale Läsionen gut differenzieren und weiter einordnen lassen. Mit standardisierten Algorithmen, wie beispielsweise dem ESCULAP, lässt sich mit Hilfe des CEUS eine Sensitivität von über 90 % im Erkennen von hepatozellulären Karzinomen erreichen (Abbildung 5) [7].
Der wehrmedizinische Nutzen der Sonografie aus dem Bereich der Hämatologie und Onkologie hat für eine große Bandbreite an Fragestellungen höchste Relevanz. Die im Fachgebiet angefertigten komplexen Befunde erhöhen die sonografische Kompetenz und Befundsicherheit der Anwender und können so in querschnittlichen Fachgebieten der Inneren Medizin, aber auch in der Notfallmedizin und Traumatologie angewendet werden.
Abb. 5: Darstellung einer Metastasenleber im CEUS, hier am Ende der portalvenösen Phase: Die rundlichen dunklen Flecken auf der linken Bildseite entsprechen den nicht kontrastierten Lebermetastasen. Auf der rechten Bildhälfte wird das B-Bild zur Orientierung mit angezeigt.
(Bildrechte: Michael Ludwig).
Diskussion
Bei der Beurteilung der Vor- und Nachteile und konsekutiv auch der Einsatzgebiete der Sonografie dürfen gegenüber den Verfahren der konventionellen Schnittbildgebung und Nuklearmedizin die methodenabhängigen Limitationen nicht unerwähnt bleiben. Den jeweiligen klinischen Kontext berücksichtigend ist die Sonografie zunehmend als eine sinnvolle Ergänzung gegenüber den Schnittbildgebungsverfahren zu verstehen. Als Limitationen sind die begrenzte Übersichtlichkeit sowie die Schallauslöschung durch Luft und Knochen zu erwähnen. Konsekutiv sind gewisse Kompartimente wie beispielsweise große Teile des thorakalen Raums weder transkutan sonografisch noch endosonografisch darstellbar. Peripher pleural gelegene Raumforderungen können derweil sehr wohl sonografisch, gegebenenfalls ergänzt durch Kontrastmittel, dargestellt und punktiert oder drainiert werden. Dieses Beispiel verdeutlicht den ergänzenden und nicht kompetitiven Charakter der unterschiedlichen bildgebenden Verfahren in der Hämatologie und Onkologie. Die eingeschränkte Übersicht muss diskutiert und berücksichtigt werden, ebenso wie die Komponente der Untersucherabhängigkeit und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Durch diese Limitationen ist die Nutzung sonografisch-generierter Bilder in interdisziplinären Tumorboards im Vergleich zur konventionellen Schnittbildgebung bisher noch eingeschränkt.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sonografie ein etabliertes und vielfältig eingesetztes Verfahren im Bereich der Hämatologie und internistischen Onkologie ist. Durch stetige Weiterentwicklungen und Optimierungen wurden Anwendungsbereiche sukzessive erweitert. Es soll die Sonografie dabei nicht kompetitiv, sondern ergänzend zu den anderen bildgebenden Verfahren eingeordnet werden.
Kernaussagen
- Die Sonografie hat einen etablierten Stellenwert in diversen Bereichen der Hämatologie und der internistischen Onkologie.
- Vorteile sind die ubiquitäre Verwendbarkeit, niedrige Kosten, fehlende Strahlenbelastung sowie eine hohe lokale Auflösung.
- Limitationen sind die fehlende Übersichtlichkeit sowie die Schallauslöschung durch Luft und Knochen.
- In den letzten Jahren erfolgten stetige Weiterentwicklungen wie die Hinzunahme der Elastografie oder von Kontrastmitteln, welche die Anwendungsmöglichkeiten erweiterten.
- Histologische Sicherungen wären im klinischen Alltag ohne ultraschallbasierte Verfahren nicht mehr denkbar.
Literatur
- Kanagaraju V, Rakshith AVB, Devanand B, Rajakumar R. Utility of Ultrasound Elastography to Differentiate Benign from Malignant Cervical Lymph Nodes. J Med Ultrasound. 2019 Dec 10;28(2):92-98. mehr lesen
- Kim BM, Kim EK, Kim MJ, Yang WI, Park CS, Park SI. Sonografically guided core needle biopsy of cervical lymphadenopathy in patients without known malignancy. J Ultrasound Med. 2007 May;26(5):585-591. mehr lesen
- Na DG, Lim HK, Byun HS, Kim HD, Ko YH, Baek JH. Differential diagnosis of cervical lymphadenopathy: usefulness of color Doppler sonography. AJR Am J Roentgenol. 1997 May;168(5):1311-1316. mehr lesen
- Pavert van de YL, Kastelijn JB, Besselink MG, et al. Dutch Pancreatic Cancer Group. Endoscopic versus surgical gastroenterostomy for palliation of malignant gastric outlet obstruction (ENDURO): a randomised controlled trial. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2025 Dec;10(12):1065-1074. mehr lesen
- Schellhaas B, Bernatik T, Bohle W, et al. Contrast-Enhanced Ultrasound Algorithms (CEUS-LIRADS/ESCULAP) for the Noninvasive Diagnosis of Hepatocellular Carcinoma - A Prospective Multicenter DEGUM Study. Ultraschall Med. 2021 Apr;42(2):178-186. mehr lesen
- Sklair-Levy M, Amir G, Spectre G, et al. Image-guided cutting-edge-needle biopsy of peripheral lymph nodes and superficial masses for the diagnosis of lymphoma. J Comput Assist Tomogr. 2005 May-Jun;29(3): 369-372. mehr lesen
- Tschammler A, Beer M, Hahn D. Differential diagnosis of lymphadenopathy: power Doppler vs color Doppler sonography. Eur Radiol 2002;12:1794-1799. mehr lesen
Manuskriptdaten
Zitierweise
Stephan LU, Müller N. Sonografie in der Hämatologie und in der internistischen Onkologie. WMM. 2026;70(7–8):352-355.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-911
Für die Verfasser
Oberfeldarzt Dr. Lars Uwe Stephan
Klinik für Innere Medizin
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Scharnhorststraße 13, 10115 Berlin
E-Mail: larsstephan@bundeswehr.org
Manuscript Data
Citation
Stephan LU, Müller N. [Ultrasound in Hematology and Internal Oncology.] WMM. 2026;70(7–8):352-355.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-911
For the Authors
Lieutenant Colonel (MC) Dr. Lars Uwe Stephan, MD
Department of Internal Medicine
Bundeswehr Hospital Berlin
Scharnhorststraße 13, D-10115 Berlin
E-Mail: larsstephan@bundeswehr.org