Wehrmedizinische Monatsschrift

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Editorial
Editorial
Internistische Sonografie
Die internistische Sonografie – ein Überblick

Internistische Sonografie
Perkutane ultraschallgestützte Interventionen


Internistische Sonografie
Sonografie in der Gastroenterologie:​ Klinische Entscheidungsfindung im militärmedizinischen Alltag





Internistische Sonografie
Stellenwert der Endosonografie im interdisziplinären diagnostischen Algorithmus



Internistische Sonografie
Herzultraschall zwischen Ambulanz,​ Station und Einsatzmedizin am Bundeswehrkrankenhaus Berlin


Internistische Sonografie
Duplexsonografie in der Angiologie

Internistische Sonografie
Sonografie und endobronchialer Ultraschall in der Pneumologie



Internistische Sonografie
Point-of-care-Ultraschall (POCUS) bei Infektionskrankheiten



Erratum
Erratum zum Beitrag:​ Das Potenzial im Fokus:​ Innovationen im Auswahlprozess des Kommando Spezialkräfte
Internistische Sonografie
Sonografie in der Hämatologie und in der internistischen Onkologie


Internistische Sonografie
Sonografie in der militärischen Notfallmedizin


Varia
Der Einfluss von Hüft-Totalendoprothesen und funktioneller Hüftgelenksbandage auf die posturale Stabilität






Varia
Einfluss der Menstruationszyklusphasen auf die sportliche ­Leistungsfähigkeit:​ Eine systematische Übersichtsarbeit unter ­Berücksichtigung hoher methodischer Standards






Aus dem Sanitätsdienst
ZUM 80.​ GEBURTSTAG Generalarzt a.​ D.​ Dr.​ Erich Rödig
Aus der Leserschaft
Leserbrief zur Publikation "Prähospitale Bluttansfusion" (WMM 5/​2026)
Tagungen und Kongresse
Kongressankündigung und Hinweis auf die Preiswettbewerbe
Mitteilungen der DGWMP e.​ V.​
Geburtstage August 2026

Internistische Sonografie PDF

Duplexsonografie in der Angiologie

Duplex Sonography in Angiology

Anne Loranga

a Klinik für Innere Medizin – Sektion Kardiologie, Angiologie, Diabetologie, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

1 Die Dienst- und Verwendungsfähigkeit von Soldatinnen und Soldaten wird gem. der Zentralvorschrift A1–831/0–4000 „Wehrmedizinische Begutachtung“ beurteilt. Dabei werden Veränderungen an Organen bzw. Organsystemen in eine 86 sog. Gesundheitsnummern umfassende Systematik eingeteilt. Innerhalb einer Gesundheitsnummer werden Merkmale bzw. Veränderungen in 6 Stufen (Gesundheitsziffern) bewertet. I bedeutet minimale Abweichungen und VI so starke Veränderungen, dass eine Eignung für den Wehrdienst dauerhaft nicht gegeben ist. Gesundheitsnummern bzw. -ziffern sind in dem regelungsnahen Dokument ARD-831/0–4000c festgelegt [3].

Zusammenfassung

In der Sektion für Kardiologie und Angiologie des Bundeswehrkrankenhauses Berlin werden regelmäßig Duplexsonografien der extrakraniellen, der Arm- und Beingefäße sowie der abdominellen Gefäße durchgeführt. Sowohl ambulante, zielgerichtete Fragestellungen zur Einstellungsuntersuchung von Soldaten als auch akute medizinische Untersuchungen bei arteriellen Verschlüssen oder tiefen Venenthrombosen gehören zum Leistungsspektrum der Angiologie.

In diesem Artikel sollen die Möglichkeiten und Einschränkungen der Duplexsonografie im Truppenarztbereich und im Einsatz fokussiert dargestellt werden.

Schlüsselwörter: periphere arterielle Verschlusskrankheit, akute Extremitätenischämie, Thrombose, postthrombotisches Syndrom

Summary

The Department of Cardiology and Angiology at the Bundeswehr Hospital in Berlin regularly conducts duplex sonography of the extracranial, upper limb, and lower limb vessels, as well as the abdominal vessels. The range of services includes elective outpatient diagnostics, such as fitness assessments for soldiers, along with urgent medical exams for conditions like arterial occlusions or deep vein thrombosis.

This article discusses the capabilities and limitations of duplex ultrasound within military medical practice and deployment scenarios.

Keywords: peripheral arterial occlusive disease; acute limb ischemia; thrombosis; post-thrombotic syndrome

Duplexsonografie der arteriellen Gefäße

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) wird in 90 % der Fälle durch Arteriosklerose verursacht. Die Prävalenz der Erkrankung liegt bei 3–10 % [1]. Die Risikofaktoren für die Entwicklung einer pAVK sind hinlänglich bekannt; Nikotinabusus, Hypercholesterinämie und Diabetes mellitus sind jedoch auch im jüngeren Patientenkollektiv der aktiv dienenden Soldaten weit verbreitet.

Eine pAVK ohne Einschränkung der Gehstrecke wird mit der Gesundheitsziffer 46/III1 belegt und ist somit nur nach fachärztlicher Begutachtung als nicht diensteinschränkend zu beurteilen [3].

Abb. 1: Farbkodierte Duplexsonografie der A. femoralis communis links (A) und der A. subclavia links (B) mit Nachweis eines triphasischen Flussprofils (Bildrechte: Anne Lorang)

Zunächst steht die körperliche Untersuchung, die Erhebung eines Pulsstatus und die Messung des Ankle-Brachial-Index (ABI) im Vordergrund. Bei Auffälligkeiten sollte eine farbkodierte Duplexsonografie mittels Linearschallkopf erfolgen. Diese ermöglicht innerhalb kürzester Zeit die Lokalisation der Stenose bzw. des Verschlusses, die Abschätzung der Verschlusslänge sowie die Planung des möglichen therapeutischen Vorgehens [1]. Extremitätenarterien zeigen einen triphasischen Strömungsgeschwindigkeitspuls mit einem steilen Anstieg bis zur systolischen Spitzengeschwindigkeit und einem ebenso steilen Abfall bis in den spätsystolischen Bereich. Es folgt eine kurze Phase der frühdiastolisch retrograd gerichteten Strömung, gefolgt von einer mitt-spätdiastolischen erneuten antegraden Strömung mit geringer Spitzengeschwindigkeit [1]. Bei Vorliegen dieses triphasischen Flussprofils ist eine hämodynamisch relevante Stenose oder ein Verschluss ausgeschlossen.

Eine akute Extremitätenischämie erfordert eine schnelle und zielgerichtete Diagnostik. Bei arterioembolischen Gefäßverschlüssen oder bei traumatischen Verletzungen der Extremitäten, die sehr häufig Gefäßverletzungen mitbedingen, sollte die Computertomografie-Diagnostik schnell und flächendeckend verfügbar sein, sodass hier schnelle Therapiekonzepte erstellt werden können. Im sanitätsdienstlichen Kontext stellt die fokussierte farbkodierte Duplexsonografie jedoch eine herausragende Möglichkeit dar. Schnell, fokussiert, kosteneffizient und vor allem dank der Möglichkeit portabler Sonografiegeräte ist eine Untersuchung auch außerhalb von Krankenhäusern mit Maximalversorgung möglich. Sowohl im In- als auch im Ausland kann hier zielführend die Weiche für die weitere Versorgung des Traumapatienten gestellt werden.

Abb. 2: Diagnosealgorithmus bei Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose (Erstereignis) unter Anwendung limitierter Ultraschallprotokolle (point-of-care-Ultraschall, POCUS) (Abbildung aus [5])

Duplexsonografie der venösen Gefäße

Die tiefe Beinvenenthrombose ist mit einer Prävalenz von 1–2 Fällen pro 1 000 Personen und Jahr sehr häufig. Am häufigsten sind Thrombosen in der Unterschenkelregion lokalisiert [4]. Typische auslösende Faktoren sind längere Immobilisation, Traumatisierung des Gefäßes, hämatologische oder neoplastische Erkrankungen. Da bei 10–30 % aller tiefen Venenthrombosen eine Lungenarterienembolie resultiert, ist eine rasche Diagnostik bei typischer Klinik und positivem Wells-Score elementar.

Abb. 3: Ultraschallstrategien bei Thromboseverdacht (Abbildung aus [5])

Für den präklinischen Diagnostikpfad ist die Kompressionssonografie ein wirksames diagnostisches Instrument. Hier lässt sich eine echoreich gefüllte Vene bzw. Venenabschnitt und unter Zuhilfenahme des Farbdopplers auch eine Teilthrombosierung darstellen. [1]

Abb. 4: Kompressionssonografie der V. femoralis communis rechts (oben) bzw. der V. poplitea rechts (unten), jeweils mit Nachweis einer vollständig das Gefäßlumen ausfüllenden Thrombose (Bildrechte: Anne Lorang)

Für die truppenärztliche Praxis

In der truppenärztlichen Praxis ist bei einseitigen Beinschmerzen differenzialdiagnostisch der Ausschluss einer tiefen Beinvenenthrombose häufig notwendig. Als Point-of-Care-Untersuchung stellt die Kompressionssonografie eine gute Möglichkeit zur schnellen Diagnose dar. In Zweifelsfällen kann mittels subkutaner Antikoagulation auch vorübergehend behandelt werden, bis eine vollständige Untersuchung in einem Facharztzentrum oder Bundeswehrkrankenhaus stattfinden kann. Auch zur Verlaufskontrolle und Beurteilung eines postthrombotischen Syndroms gilt die Sonografie als Goldstandard. Diese sollte jedoch bei oftmals aufwendigen Untersuchungsbedingungen und komplexen Venenverhältnissen in die Hände von mit der Untersuchungsmethode vertrauten Fachärzten übergeben werden.

Literatur

  1. Amann-Vesti B., Thalhammer C., Huck K.: Kursbuch Doppler- und Duplexsonografie. Georg Thieme Verlag Stuttgart; 3. Auflage 2012
  2. Behrendt, C., Grözinger, G., Huppert, P. et al. S3 Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit [Internet].Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.2023.[Letzter Zugriff 13. Mai 2026]; verfügbar unter: https://doi.org/10.1024/0301-1526/a001171 mehr lesen
  3. Bundesministerium der Verteidigung. Gesundheitsziffern und Anforderunggssymbole (ARD-831\0-4000c ) [Internet]. BMVg 2024.[Letzter Aufruf 13. Mai 2026]; verfügbar unter: https://fragdenstaat.de/anfrage/ard-831-0-4000c/ mehr lesen
  4. Cissarek T., Gray W., Zeller T.: Gefäßmedizin Therapie und Praxis. ABW Wissenschaftsverlag Berlin; 2. Auflage 2013
  5. Linnemann, B., Blank, W., Doenst, T. et al S2k Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie - S2k Leitlinie [Internet]. AWMF 2023.[Letzter Zugriff 13. Mai 2026]; verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002. mehr lesen

Manuskriptdaten

Zitierweise

Lorang A: Duplexsonografie in der Angiologie. WMM 2026;70(7–8):339-341.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-908

Verfasserin

Oberfeldarzt Anne Lorang

Klinik für Innere Medizin

Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Scharnhorststr. 13, 10115 Berlin

E-Mail: annelorang@bundeswehr.org

Manuscript data

Citation

Lorang A: [Duplex Sonography in Angiology]. WMM 2026;70(7–8):339-341.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-908

Author

Lieutenant Colonel /(MC) Anne Lorang

Department for Internal Medicine

Bundeswehr Hospital Berlin

Scharnhorststr. 13, D-10115 Berlin

E-Mail: annelorang@bundeswehr.org

Internistische Sonografie PDF

Sonografie und endobronchialer Ultraschall in der Pneumologie

Sonography and Endobronchial Ultrasound in Pulmonology

Michael Ludwiga, Thomas Barcka

a Klinik für Innere Medizin – Sektion Kardiologie/ Pneumologie, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Zusammenfassung

Die sonografische Diagnostik liefert in der Pneumologie wertvolle Informationen als Ergänzung zur radiologischen und endoskopischen Bildgebung. Dabei bietet sie insbesondere die Möglichkeiten der bettseitigen und wiederholten Untersuchung sowie der sonografisch gesteuerten diagnostischen und therapeutischen Interventionen. Hieraus ergibt sich auch die Bedeutung im militärmedizinischen Kontext. Spezialisierte Anwendungen wie kontrastmittelverstärkter und endobronchialer Ultraschall repräsentieren die Expertise im Rahmen der pneumologischen Versorgung im Inland.

Schlüsselwörter: Sonografie, endobronchialer Ultraschall, Pneumologie

Summary

Ultrasound diagnostics provide valuable information in pulmonology, complementing radiological and endoscopic imaging. It particularly offers the possibilities of bedside and repeated examinations, as well as sonographically guided diagnostic and therapeutic interventions. This also underscores its importance in the military medical context. Specialized applications such as contrast-enhanced and endobronchial ultrasound represent the expertise within pulmonological care domestically.

Keywords: sonography; endobronchial ultrasound; pulmonology

Einleitung

Unter dem Begriff Lungenultraschall (lung ultrasound, LUS) wird in der Literatur die Sonografie von Pleura und Lunge zusammengefasst. Demgegenüber umfasst die Thoraxsonografie auch andere thorakale Strukturen wie Thoraxwand und Zwerchfell; lediglich das Herz wird nicht als Teil der Thoraxsonografie verstanden und mittels Echokardiografie sonografisch untersucht. Der endobronchiale Ultraschall (EBUS) ist eine eigenständige endoskopische Methode, die im letzten Abschnitt dieses Artikels gesondert beleuchtet wird.

LUS ist eine relativ leicht zu erlernende Methode. Auch wenn das belüftete Lungenparenchym nicht eingesehen werden kann, bieten typische Schallartefakte dennoch eine Möglichkeit zur Detektion verschiedener Krankheitszustände. In Kombination mit einer vorhergehenden sorgfältigen Anamnese und Untersuchung, bietet LUS die Möglichkeit, bettseitig als primäre Bildgebung weitere diagnostische und therapeutische Schritte effektiv und zeitsparend zu planen [2].

Für die Bundeswehr ist die Einsatzrelevanz von LUS hoch, weil thoraxsonografische Fähigkeiten auch in notfallsonografischen Algorithmen wie E-FAST Anwendung finden [5]. Doch auch darüber hinaus ist die Evidenz für den Einsatz der Sonografie bei verschiedenen Erkrankungen an Thoraxwand, Pleura und Lunge sehr gut [2] und wird auch zunehmend in Leitlinien (Pneumothorax [8], Pneumonie [3], Lungenembolie [7], Lungenkarzinom [6] usw.) als primäre oder komplementäre Bildgebung empfohlen. Abbildung 1 bietet einen kurzen Überblick über die aktuellen evidenzbasierten LUS-Indikationen.

 

Abb. 1: Synopsis möglicher Fragestellungen in der Thoraxsonografie (Bildrechte: Carlotta Ille, mit freundlicher Genehmigung).

Dennoch wird LUS in der klinischen Praxis weiterhin noch nicht auf breiter Basis durchgeführt, auch wenn während und nach der COVID-Pandemie ein erheblicher Anstieg zu verzeichnen war. Gründe für diese Zurückhaltung scheinen auf der einen Seite methodenbedingte Limitationen (geringe Übersicht, fehlende Darstellbarkeit des belüfteten Lungenparenchyms), vor allem aber die fehlende Untersuchererfahrung zu sein. Daher besteht ein anhaltender Ausbildungsbedarf. Mit dem vorliegenden Artikel möchten wir einige besonders wehrmedizinisch relevante Indikationen zur Ultraschalldiagnostik kurz beleuchten.

Sonografie der Thoraxwand

Zum Nachweis von Rippenfrakturen ist die Sonografie der Röntgendiagnostik überlegen und wird daher sowohl als primäre als auch als komplementäre Bildgebung bei fehlendem Frakturnachweis beim Röntgen empfohlen (Abbildung 2) [1]. Während begleitende Pleuraergüsse hochsensitiv nachgewiesen werden können, entgehen assoziierte Lungenparenchymverletzungen wie Kontusionen oder Lazerationen möglicherweise dem Ultraschall, sodass Röntgen oder eine Low-Dose-Computertomografie (CT) zusätzlich erforderlich sein können. Andere Prozesse der Thoraxwand, wie Hämatome, Abszesse, Lymphknoten etc. können ebenso hervorragend und in höchster Ortsauflösung dargestellt werden.

Abb. 2: Rippenfraktur und Komplikationen:

(a) minimal dislozierte Rippenfraktur mit kleinem subperiostalem Hämatom

(b) Hämatothorax bei Rippenserienfraktur

(c) subkutanes, abgekapseltes Hämatom

(Bildrechte: Michael Ludwig).

Sonografie der Pleura

Auch bei Pleuraergüssen ist die Sonografie die primäre Bildgebung und eignet sich für Ausschluss, Nachweis und genauere Charakterisierung von Flüssigkeitsansammlungen im Pleuraspalt [2]. Mittels empirischer Formeln ist für frei auslaufende Pleuraergüsse eine relativ genaue Abschätzung der Ergussmenge möglich (Abbildung 3), was sowohl die Indikationsstellung für eine Parazentese/Drainage als auch die Verlaufsdokumentation ermöglicht.

Abb. 3: Quantifizierung von Pleuraergüssen im Sitzen:

Anlotung in einer Frontalebene in der mittleren bis hinteren Axillarlinie (links), Messung der lateralen Ergusshöhe H (Mitte), Rechenbeispiel (rechts) (Bildrechte: Michael Ludwig).

Darüber hinaus können auch kleinste pleurale Auflagerungen und Ergusssepten, die der radiologischen Bildgebung meist entgehen, im Ultraschall dargestellt ­werden, was die Detektion komplizierter Ergüsse (Hämatothorax, Pleuraempyem, Pleuritis, Pleurakarzinose) verbessert (Abbildung 4). Sonografisch gestützt können auch kleinste Pleuraergüsse diagnostisch punktiert werden.

 

Abb. 4: Beispiele komplizierter Pleuraergüsse:

(a) multipel septierter Erguss bei Pleuraempyem

(b) pleurale Auflagerungen und Septen bei tuberkulöser Pleuritis

(c) solider Pleuraknoten bei Pleurakarzinose

(Bildrechte: Michael Ludwig).

Sonografie der Lunge

Belüftetes Lungenparenchym ist sonografisch nicht darstellbar, da die Schallwellen an der Grenze zu belüfteten Strukturen wegen des ausgeprägten Schallimpedanzsprungs totalreflektiert werden. Trotzdem erlaubt die ­Beurteilung typischer Artefakte wie Lungengleiten oder A- und B-Linien Rückschlüsse zu bestimmten Fragestellungen wie Pneumothorax oder Lungenödem, worauf im Beitrag „Sonografie in der Notfallmedizin“ in diesem Heft näher eingegangen wird. So ist LUS zum Nachweis oder Ausschluss eines Pneumothorax dem Röntgen mindestens gleichwertig, ermöglicht aber eine sofortige bett­seitige Diagnose, was zur Aufnahme in das E-FAST-­Protokoll für Traumapatienten [5] ebenso wie in die Pneumothorax-Leitlinie [8] geführt hat.

Sind pleuraständige Anteile der Lunge jedoch nicht regelrecht belüftet (= pulmonale Konsolidierungen), so ergibt sich in der Regel ein Schallfenster, durch das diese Läsionen sonografisch dargestellt werden können (Abbildung 5).

Abb. 5: Beispiele pulmonaler Konsolidierungen:

(a) Pneumonie

(b) Lungenatelektase

(c) Lungeninfarkt bei Lungenembolie

(d) Lungenmetastase

(Bildrechte: Michael Ludwig).

Neben der Primärdiagnostik ermöglicht die Sonografie auch jederzeit strahlungsfreie Verlaufskontrollen sowie sonografisch gestützte Biopsien.

Kontrastmittel-Sonografie (CEUS) pulmonaler Konsolidierungen

Auch die Kontrastmittel-Sonografie (Contrast Enhanced Ultrasound, CEUS) folgt den gleichen physikalischen Grundlagen wie die native Sonografie, das heißt, be­lüftetes Lungenparenchym ist nicht darstellbar, nur pulmonale Konsolidierungen mit Pleurakontakt können untersucht werden. Mittels CEUS kann die Perfusion pulmonaler Konsolidierungen dargestellt werden, was für die Differentialdiagnose und die Detektion von Perfu­sionsausfällen, wie sie bei Abszessen oder Lungeninfarkten auftreten, hilfreich ist.

Diese Diagnostik ist bisher eher spezialisierten Zentren vorbehalten. Geräteseitig sind, wie für jede Kontrastmittel-Sonografie, spezielle CEUS-Softwaremodule notwendig, die Sonografien mit niedriger Schallenergie (niedriger mechanischer Index) ermöglichen (Abbildung 6).

 

Abb. 6: CEUS pulmonaler Konsolidierungen:

(a) chronische organisierende Pneumonie

(b) Plattenepithelkarzinom der Lunge

(c) Lungenabszess

(d) kleine subpleurale Lungeninfarkte bei Lungenembolie (Bildrechte: Michael Ludwig).

 

 

Endobronchialer Ultraschall (EBUS)

Die Methode des endobronchialen Ultraschalls (EBUS) wurde erstmals von Thomas Hürter und Peter Hanrath aus Aachen 1992 publiziert [4]. Zunächst stand die Lokalisierung peripherer Lungenkarzinome für die gezielte Biopsie im Vordergrund. Durch die Miniaturisierung der Technik gelang es, Ultraschallsonden zu konstruieren, die für die Passage durch den Arbeitskanal flexibler Bronchoskope geeignet waren. Damit konnte der in den Tumor führende Bronchus im Gegensatz zur Projektionsradiografie direkt identifiziert werden. Mit der Vorstellung des ersten Bronchoskops mit integriertem Ultraschall-Transducer um 2002 wurde die Punktion peribronchialer Strukturen, insbesondere mediastinaler Lymphknoten, unter sonografisch visualisierter Nadelführung möglich (Abbildung 7).

Abb. 7: EBUS-Gerät mit endständiger Ultraschallsonde und ausgefahrener Nadel (Bildrechte: Thomas Barck).

Schnell konnte sich diese Technik als mediastinales Lymphknotenstaging in der Diagnostik des Lungenkarzinoms etablieren und der Mediastinoskopie als bisherigem Standard den Rang ablaufen [6]. Als Vorteile gegenüber dem chirurgischen Eingriff erwiesen sich hier die Erreichbarkeit weiter peripher liegender Lymphknoten und die geringere Invasivität des Eingriffs [9]. Bedeutung erlangte die Technik bald auch in der Diagnostik anderer Erkrankungen, die mit mediastinaler Lymphadenopathie einhergehen, insbesondere der Sarkoidose, primär mediastinaler Lymphome und der Tuberkulose.

Die EBUS-gesteuerte Biopsie mediastinaler Lymphknoten kommt auch beim Staging extrapulmonaler Karzinome zum Einsatz, wenn ein Verdacht auf metachrone Metastasen besteht. Diese Untersuchung bietet somit eine wenig invasive Möglichkeit zur weiteren Diagnostik einer Vielzahl von malignen und benignen Erkrankungen mit Beteiligung der mediastinalen Lymphknoten. Aufgrund der Epidemiologie der Sarkoidose, mit einem ­Häufigkeitsgipfel von Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, ist sie aus militärmedizinischer Sicht von großer Bedeutung. Während sich die Technik des endobronchialen Ultraschalls im Verlauf nicht wesentlich verändert hat, wird mit der Entwicklung von transbronchialen Punktionszangen und Kryosonden die Entnahme größerer Biopsien angestrebt. Hierdurch wird neben der höheren Aussagekraft für die histologische Diagnostik insbesondere auch der zunehmend umfangreichen immunhistochemischen und molekularen Diagnostik des Lungenkarzinoms Rechnung getragen.

Abb.8: EBUS-gesteuerte Biopsie mediastinaler Lymphknoten:

(a) Darstellung eines mediastinalen Lymphknotens ohne Hiluszeichen, unten rechts endoskopisches Bild mit dem der Bronchialwand anliegenden Ultraschall-Transducer

(b) Darstellung der Punktionsnadel im Lymphknoten

(Bildrechte: Thomas Barck).

Fallvignette: Sarkoidose

Ein 24-jähriger Soldat wurde vom Rettungsdienst mit einem erstmaligen fokalen epileptischen Anfall und sekundärer Generalisierung in ein ziviles Krankenhaus verbracht. Bei unauffälligem klinischem Befund zeigten sich in der zerebralen Bildgebung lokal diffus-ödematöse Veränderungen in mehreren Hirnregionen. Als Ursachen wurden granulomatöse Veränderungen, ein ZNS-Lymphom, eine Vaskulitis und eine Infektion in Betracht gezogen. Vorrangig wurde eine Neurosarkoidose erwogen, die umfangreiche Diagnostik konnte diesen Verdacht aber nicht hinreichend erhärten. Bei CT-morphologischem Nachweis einer mediastinalen Lymphadenopathie fanden sich keine pulmonalen Veränderungen; in der bronchoalveolären Lavage (BAL) fand sich kein typisches lymphozytäres Zellbild mit erhöhtem CD4/CD8-Quotienten. Bei stabilem Zustand ohne weitere Anfallsereignisse unter der neu begonnenen antiepileptischen Therapie mit Levetiracetam wurde der Patient in das Bundeswehrkrankenhaus Berlin verlegt.

Hier erfolgte die EBUS-gesteuerte Biopsie der mediastinalen Lymphknoten (Abbildung 8); histologisch zeigte sich eine epitheloidzellig-granulomatöse Reaktion, gut vereinbar mit einer Sarkoidose. Ein Lymphom konnte histologisch ausgeschlossen werden. Unter einer umgehend eingeleiteten hochdosierten Steroidtherapie waren die zerebralen Läsionen rückläufig, zeigten sich jedoch in der Kontroll-MRT unter Steroid-Dosisreduktion wieder progredient. Es erfolgte daraufhin die Erweiterung der immunsuppressiven Therapie um Azathioprin, das bei kompletter Remission der zerebralen Läsionen im Verlauf als Monotherapie für insgesamt 2 Jahre verordnet wurde. Bei anhaltender Remission zeigte sich nach Beendigung der Therapie in der weiteren Beobachtung über 18 Monate hinweg kein Rezidivhinweis.

Literatur

  1. Ackermann O, Fischer C, Grosser K, et al. S2-Leitlinie Fraktursonografie [Internet].AWMF 2023.[Letzter Zugruff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/085-003. mehr lesen
  2. Eisenmann S, Böhm S Ludwig M. Thoraxsonografie 2019 – Aktuelles und Ausblick. Pneumologe 2019;16:197–210. mehr lesen
  3. Ewig S, Höffken G, Kern WV, et al. S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie [Internet]. AWMF 2021.[Letzter Zugriff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-020. mehr lesen
  4. Hürter T, Hanrath P: Endobronchial sonography: feasibility and preliminary results. Thorax 1992 Jul;47(7):565-567. mehr lesen
  5. Kirkpatrick AW, Sirois M, Laupland KB, et al. Hand-held thoracic sonography for detecting post-traumatic pneumothoraces: the Extended Focused Assessment with Sonography for Trauma (EFAST). J Trauma. 2004 Aug;57(2):288-295. mehr lesen
  6. Leitlinienprogramm Onkologie (DGK, DKH, AWMF): S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms [Internet]; AWMF 2025.[Letzter Zugriff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-007OL mehr lesen
  7. Linnemann B, Blank W, Doenst T, et al. Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie [Internet]. AWMF 2023.[Letzter Zugriff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002 mehr lesen
  8. Schnell J, Beer M, Eggeling S, et al. S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von Spontanpneumothorax und postinterventionellem Pneumothorax [Internet]. AWMF 2018.[Letzter Zugriff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/010-007 mehr lesen
  9. Sehgal I, Dhooria S, Aggarwal A, et al. Endosonography Versus Mediastinoscopy in Mediastinal Staging of Lung Cancer: Systematic Review and Meta-Analysis. Ann Thorax Surg 2016; 102(5):1747-1755. mehr lesen

Manuskriptdaten

Zitierweise

Ludwig M, Barck T. Sonografie und endobronchialer Ultraschall in der Pneumologie. WMM 2026;70(7–8):342-346.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-909

Für die Verfasser

Oberfeldarzt Dr. Michael Ludwig

Klinik für Innere Medizin

Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Scharnhorststr. 13, 10115 Berlin

E-Mail: michael6ludwig@bundeswehr.org

Manuscript Data

Citation

Ludwig M, Barck T. [Sonography and Endobronchial Ultrasound in Pulmonology]. WMM 2026;70(7–8):342-346.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-909

For the Authors

Lieutenant Colonel (MC) Dr. Michael Ludwig, MD

Department of Internal Medicine

Bundeswehr Hospital Berlin

Scharnhorststr. 13, D-10115 Berlin

E-Mail: michael6ludwig@bundeswehr.org

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