Das “5th Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in the International Military Medical Context 2026” – wie immer ein guter Grund für einen Besuch in Hamburg
Im Zeitraum vom 26. bis 28. August 2026 lud der Kommandeur und Ärztliche Direktor, Generalarzt Dr. Thomas Harbaum, zum inzwischen traditionellen englischsprachigen „Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in the International Military Medical Context“ ans Bundeswehrkrankenhaus Hamburg ein. Neben den deutschen sanitätsdienstlichen und zivilen Teilnehmern waren auch diesmal wieder internationale Gäste beim fünften Durchgang anwesend, darunter Vertreter aus Ägypten, Bangladesch, Belgien, der Elfenbeinküste, Ghana, Indien, dem Irak, Kamerun, Malta, Norwegen, Pakistan, der Schweiz, Südafrika, Thailand, Tunesien, der Türkei, den USA und Vietnam. Mit deutlich mehr als einhundert Anmeldungen erfuhr die Veranstaltung eine hervorragende Resonanz (Abbildung 1).
Abb. 1: Gruppenfoto der Symposiumsteilnehmenden (Bildrechte: BwKrhs Hamburg).
Die musikalische Einführung übernahm das Ensemble des Hamburger Marineorchesters unter der Leitung von Herrn Fregattenkapitän d. R. Hagen Sommerfeldt, das das Publikum mit dem beschwingten Palladio von Karl Jenkins, den kontemplativen Klängen von Sergej Rachmaninows Vocalise und dem dynamischen Dreivierteltakt von Dmitri Schostakowitschs zweitem Walzer in feierlicher Weise auf das Symposiumsprogramm einstimmte (Abbildung 2).
Abb. 2: Musikalisches Präludium (Bildrechte: BwKrhs Hamburg).
Nach der Eröffnungsrede der Leiterin des Fachbereichs Infektiologie und Tropenmedizin, Frau Oberfeldarzt Dr. Dorothea Wiemer, stand die erste Session im Zeichen der Präventivmedizin. Der Festredner Prof. Dr. med. Andreas Zautner informierte über den Stand der Impfoptionen gegen seltene und hochvirulente Infektionskrankheiten wie die Pocken, Anthrax, das argentinische hämorrhagische Fieber, die Tularämie und die Pest. Im Anschluss wurden neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Dengue-Impfoptionen sowie zur Sicherheit der doxycyclinbasierten Malariachemoprophylaxe erörtert.
In der Infektionsdiagnostiksitzung wurde die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft geschlagen. Um die Bedeutung der im Kontext der Infektionsmedizin nicht zu unterschätzenden Histopathologie zu unterstreichen, die bei der teils schwierigen Unterscheidung zwischen harmloser Kolonisation und lebensbedrohlicher Infektion hervorragende Dienste leisten kann, widmete sich der Keynote-Vortrag der Session diesem spannenden Thema. Im Anschluss erhielten die Gäste einen Einblick in die weitere Evolution spektrometriebasierter Diagnostik mikrobieller Infektionserreger. Am Beispiel der flügelstrukturgestützten Identifikation von Vektorarthropoden wurde die zunehmende Bedeutung der diagnostischen Mustererkennung auf Basis künstlicher Intelligenz veranschaulicht. Abgerundet wurde die Sitzung durch eine Demonstration der Implementierung moderner diagnostischer Molekularbiologie in infektionsdiagnostische Algorithmen im Einsatz durch das mikrobiologische Leitlabor des Sanitätsdiensts.
Die Tropendermatologie begann ihre Präsentation mit dem militärmedizinischen Dauerthema der infektionsassoziierten Wunde und der Vielfalt der damit vergesellschafteten Differenzialdiagnosen, die dermatologische Expertise und Erfahrung im Einsatz unverzichtbar machen. An den Beispielen tropen- und infektionsdermatologischer Spezialisierung in den Tropen Sri Lankas sowie am brasilianischen Amazonas wurde veranschaulicht, wie solches Expertenwissen erworben und gepflegt werden kann.
In der infektionsepidemiologischen Sitzung wurden die präventivmedizinischen Handlungsalgorithmen des thailändischen Sanitätsdiensts dem Fachpublikum nahegebracht und am Beispiel der lokalen Leptospirose-Surveillance anschaulich exemplifiziert. Weitere Schwerpunkte bestanden in der Diskussion von Optionen zur Kontrolle von Vektorarthropodenpopulationen mittels vektorpathogener Viren sowie von Strategien zur Eindämmung eines hohen Infektionsdrucks durch virale Hepatitiden in Ghana.
Die Sitzung zur tropischen Entomologie beschäftigte sich unter anderem mit aktuellen Maßnahmen zur Analyse der Risiken für militärische Einsatzkräfte, die mit einer Zeckenexposition einhergehen. Anhand der Beispiele des Barmah-Forest-Virus und des Oropouche-Virus wurden Analysen zur Vektorkompetenz bei häufigen Moskitospezies näher beleuchtet. Zur Sprache kam ferner das potenzielle Transmissionsrisiko von Rickettsien durch kongolesische Zecken.
Die Sitzung zu Virulenz und Resistenz beleuchtete zunächst die Schwierigkeiten bei der Assoziation zwischen genetischen Determinanten und der tatsächlichen klinischen Virulenz am Beispiel von Burkholderia pseudomallei, dem Erreger der Melioidose. Anhand enterischer mikrobieller Pathogene wurde ferner die Bedeutung von Mischinfektionen und der mikrobiellen Populationskomposition in primär unsterilen Körperkompartimenten modelliert. Eine epidemiologische Analyse in Tansania wies auf ein lokal hohes Risiko nosokomialer Übertragung gramnegativer Erreger, insbesondere mit Resistenz gegenüber Drittgenerationscephalosporinen, hin. Schlussendlich wurde am Beispiel humanpathogener Leishmanien-Spezies demonstriert, wie genetisch ähnliche mikrobielle Erreger klinisch sehr distinkte Krankheitsbilder verursachen können.
Auch eine Televoting-Sitzung durfte nicht fehlen, um den Symposiumsteilnehmenden die interaktive Mitarbeit an seltenen bzw. spannenden Fällen aus der Infektionsmedizin zumindest virtuell zu ermöglichen. Zu den diskutierten Fällen gehörten eine im Schnelltest falsch-negativ gebliebene Malaria quartana, ein tödlich verlaufener Fall einer zu späten Vorstellung bei fortgeschrittener HIV-Infektion, ein Tsutsugamushi-Fieber und eine systemische Kryptokokkose mit kutaner Disseminierung. Während den mitratenden Infektionsexpertinnen und -experten exotische Differenzialdiagnosen wie das Tsutsugamushi-Fieber wenig Schwierigkeiten bereiteten, zeigte die Auswertung der Televoting-Ergebnisse bei der Mitbeurteilung von Bildern der kutanen Kryptokokkose und von digitalisierten Blutausstrichen einmal mehr, dass die in naher Zukunft zu erwartende künstliche-Intelligenz-gestützte digitale Mustererkennung die Zuverlässigkeit der infektionsmedizinischen Diagnosestellung sehr wahrscheinlich weiter verbessern wird.
Die letzte Sitzung des Symposiums beschäftigte sich mit der Frage, wie durch geeignete persönliche wie auch infrastrukturelle Schutzausstattung die Sicherheit des medizinischen Personals im tropischen Einsatz erhöht werden kann. Dazu gehörte der Umgang mit hochkontagiösen Patienten sowohl am Boden als auch in der Luft sowie der persönliche Schutz vor fliegenden Vektoren der Gattung Chrysops. Frau Oberstabsarzt Hacker von der Münchner MI-2-Dienststelle schloss das Symposium mit einer gelungenen Synopsis über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der tropenmedizinischen Ausbildung im Sanitätsdienst der Bundeswehr ab. Ergänzt wurde das Symposiumsprogramm durch eine Vielzahl von Postern, die das gesamte Spektrum der Infektionsmedizin von der Diagnostik über die Epidemiologie, Vektorentomologie und Prävention bis hin zur medizinischen Patientenversorgung einschließlich des One Health-Aspekts abbildeten. Die Posterwände luden insbesondere während der Pausen zu einem vertieften fachlichen Austausch ein (Abbildung 3).
Abb. 3: Vertiefung des fachlichen Austauschs vor der Posterwand (Bildrechte: BwKrhs Hamburg)
Der Festabend des Symposiums im Speisesaal des Bundeswehrkrankenhauses bot traditionell ein Forum für den zwanglosen abendlichen Austausch unter den Symposiumsteilnehmenden bei Fingerfood und Getränken. Ziel war es, das kameradschaftlich-kollegiale Miteinander über die Kongresspausen hinaus fach- und länderübergreifend zu vertiefen und gemeinsame Projektplanungen anzubahnen.
Eingebettet in die Kooperationspflege des Symposiums waren auch bilaterale Maßnahmen, in deren Rahmen das Symposium durch infektionsmedizinische Fachexpertise aus Ghana, Thailand und Vietnam unterstützt wurde. Die Beiträge dieser ausländischen Gäste zum Gelingen des Symposiums wurden vom Kommandeur und Ärztlichen Direktor im Rahmen der Verabschiedungszeremonie in feierlichem Rahmen gewürdigt (Abbildung 4).
Abb. 4: Feierliches Lebewohl seitens des Kommandeurs und Ärztlichen Direktors des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg an die bilateralen Gäste aus Ghana, Thailand und Vietnam im Rahmen der Verabschiedungszeremonie.
Zugleich wurde während der Verabschiedung auf den Zeitraum der Folgeveranstaltung vom 30. August bis 1. September 2028 hingewiesen. Tropen- und infektionsmedizinisch interessierte Kameradinnen und Kameraden sind insofern höflichst aufgefordert, sich diesen Termin bereits vorzumerken.
Ausgewählte Abstracts der Kongressvorträgen stehen hier zum Download zur Verfügung.
Verfasser
Oberfeldarzt Prof. Dr. Hagen Frickmann
Abteilung Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
Jahrestagung 2026 der Österreichischen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie
Gruppenbild der Tagungsbesucher mit dem Präsidenten der ÖGWMP, Oberstarzt Prof. Dr. Arnold Höppchen, in der Mitte.
Die Jahrestagung 2026 der Österreichischen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (ÖGWMPh) fand vom 10. bis 11. September in der Schwarzenbergkaserne in Wals bei Salzburg statt. Die Jahreshauptversammlung am Vorabend der Tagung wurde vom Präsidenten, Oberstarzt Prof. Dr. Arnold Höppchen, geleitet und verzeichnete über 40 Teilnehmer, darunter Generalmajor Dr. Dr. Sylvia Sperandio, Leiterin des Militärischen Gesundheitswesens des Bundesheers, und Brigadier Dr. Signe Buck. Im Sinne der Doppelmitgliedschaft waren von Seiten der Schweizer Gesellschaft der Sanitätsoffiziere Past-Präsident Oberst Dr. Stephan Landolt vertreten, für die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie nahmen Generalarzt a. D. Prof. Dr. Horst Peter Becker, und Oberfeldarzt a. D. Dr. Detlef Hackbarth teil. Präsentiert wurden die Berichte des Präsidenten, der Landesgruppenvorsitzenden, des Schatzmeisters und der Rechnungsprüfer. Der Ausklang des Abends fand bei einem festlichen Abendessen mit intensiven Gesprächen und einem guten internationalen Austausch auch zusammen mit Mitgliedern des SanOA-Verbandes statt.
Am nächsten Morgen eröffnete die Militärmusik des Militärkommandos Salzburg die Jahrestagung schwungvoll mit einer passenden Fanfare. Oberstarzt Prof. Dr. Höppchen sowie der Hausherr, Militärkommandant Brigadier Peter Schinnerl, richteten ihre Grußworte an das Auditorium mit knapp 80 Teilnehmenden und betonten die Bedeutung dieser jährlichen Veranstaltung für das Militär und den Sanitätsdienst.
Das Tagungsprogramm war vielfältig und für die ausländischen Gäste besonders interessant. Der erste Redner, Generalmajor i.R., Ministerialrat Dr. jur. Peter Fender, Generalsekretär des Dachverbandes der wehrpolitischen Vereine, gab eine Einführung in die Arbeit seiner Institution und berichtete über den Stand der Bemühungen, in Österreich die allgemeine Wehrpflicht beizubehalten und zu verlängern. Generalmajor. Dr. Dr. Sperandio sprach über die aktuellen Entwicklungen im österreichischen Sanitätsdienst und übergab danach das Wort an Brigadier Dr. Buck, die den Anwesenden die Organisation der Sanitätsführung näherbrachte und für Fragen zur Verfügung stand. Frau Oberfeldarzt Dr. Förster, Vizepräsidentin der DGWMP, überbrachte die Grüße der Schwestergesellschaft und stellte die vielfältigen Angebote anhand der Aktivitäten der Gesellschaft in Deutschland vor.
Bereits in der Kaffeepause konnten die TeilnehmerInnen die Industrieausstellung besuchen, die in diesem Jahr besonders spannend war: Hersteller medizinischer Geräte für die Diagnostik und Therapie von Verwundeten sowie Lösungen für den Transport und die Versorgung waren vor Ort. Es herrschte großes Interesse und reger Austausch an den Ausstellungsständen.
Nach der Pause gab Oberst Dr. Marcel Bruggisser aus der Schweiz einen einzigartigen Einblick in die „Patrouille des Glaciers“, das weltweit größte und eines der härtesten Skitouren- und Skibergsteigerrennen, das alle zwei Jahre in den Schweizer Alpen von Zermatt nach Verbier stattfindet und vom Schweizer Militär veranstaltet wird. Er hatte als Notfallarzt an der Betreuung dieser Veranstaltung teilgenommen. Flottillenarzt d. R. PD Dr. Peter Fellmer berichtete über die NATO Science and Technology Organization und zeigte dabei großartige Kooperationsmöglichkeiten in der Wissenschaft auf. Chefinspektor Erwin Grubhofer von der Direktion Spezialeinheiten des Bundesministeriums für Inneres gab danach hochinteressante Einblicke in die Sanitätsausbildung der Polizei-Spezialkräfte.
Bei einem gemeinsamen Mittagessen im Casino ging der kameradschaftliche Austausch weiter, sodass der letzte Sitzungsblock danach starten konnte. Dabei gab zunächst Oberstleutnant d. R. der ukrainischen Streitkräfte, Dr. Bespalenko, einen chirurgisch geprägten Überblick über die aktuelle Lage der Sanitätsversorgung sowie die riesigen Herausforderungen in der Ukraine. Sein Kollege, Oberst d. R. Dr. Klapchuk, zeigte in seinem Vortrag die vielfältigen Möglichkeiten der Rekonstruktion nach Knochen- und Weichteildefekten an Extremitäten anhand beeindruckender Fälle und Bilder. Im Anschluss präsentierte Flottillenarzt Dr. Christoph Jänig vom Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz dem Auditorium interessante Einblicke in die Erforschung, Entwicklung und Anschaffung von Rettungsdrohnen sowie automatisierten Lösungen für den Transport und die Behandlung von Verwundeten.
Danach konnte der Präsident der ÖGWMPh die Veranstaltung erfolgreich beenden und die Teilnehmenden verabschieden.
Im Jahr 2027 feiert die ÖGWMPh ihr 50-jähriges Bestehen: Der Vorstand der ÖGWMPh freut sich schon jetzt auf zahlreiches Erscheinen am 30. September und am 1. Oktober 2027 in Mautern an der Donau!
Prof. Dr. Arnold Höppchen
Oberstarzt
Präsident der ÖGWMPh