Wehrmedizinische Monatsschrift

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Editorial
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Präventivmedizin
Effizienz beim Marschieren:​ Studie zu Beanspruchung,​ Ermüdung und Leistungserhalt bei militärischen Fußmärschen







Präventivmedizin
Präventivmedizinische Unterstützung im Einsatz gegen ­Hitze und Kälte – Entwicklung einer Klimaweste am Institut für ­Präventivmedizin der Bundeswehr






Präventivmedizin
Operational Resilience Training – Ein für die Ukraine entwickeltes operatives Resilienztraining als Option für die Bundeswehr?





Präventivmedizin
Impedanzkardiografie zur Erfassung individueller physiologischer ­Beanspruchung – Vergleich mit spiroergometrischen Messgrößen




Präventivmedizin
Grundausbildung als präventivmedizinisches Untersuchungsmodell:​ Entwicklung eines standardisierten Studiendesigns zur ­Erfassung von Prädiktoren für militärische Leistung,​ Stressempfinden und ­Gesundheitserleben




Präventivmedizin
Suchtprävention im Kontext der Kriegstüchtigkeit – pathogenetische,​ präventive und therapeutische Aspekte

Präventivmedizin
Vom Gesundheitsarchiv zur Prävention:​ BMI-Entwicklung in der Bundeswehr über sechs Jahrzehnte


Präventivmedizin
AIM:​ Das Andernacher Inventar zur militärischen Leistungsbeurteilung – Konzeption eines neuen Messinstruments für die präventivmedizinische Forschung in der Bundeswehr



Wehrpharmazie
Untersuchungen zur Gebrauchstauglichkeit einer bundeswehreigenen Autoinjektor-Plattform:​ Ergebnisse der zweiten formativen Studie





Tagungen und Kongresse
Das “5th Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in the International Military Medical Context 2026” – wie immer ein guter Grund für einen Besuch in Hamburg

Tagungen und Kongresse
Jahrestagung 2026 der Österreichischen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie
Tagungen und Kongresse
Bericht über die Internationale Tagung der Schweizerischen ­Gesellschaft der Sanitätsoffiziere 2026
Aus dem Sanitätsdienst
Zum 60.​ Geburtstag Oberstapotheker Dr.​ Bernd Klaubert
Aus dem Sanitätsdienst
In Memoriam Flottenarzt a.​ D.​ Dr.​ Harald Brünn
Mitteilungen der DGWMP e.​ V.​
Geburtstage Dezember 2026
Tagungen und Kongresse PDF

Das “5th Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in the International Military Medical Context 2026” – wie immer ein guter Grund für einen Besuch in Hamburg

Im Zeitraum vom 26. bis 28. August 2026 lud der Kommandeur und Ärztliche Direktor, Generalarzt Dr. Thomas Harbaum, zum inzwischen traditionellen englischsprachigen „Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in the International Military Medical Context“ ans Bundeswehrkrankenhaus Hamburg ein. Neben den deutschen sanitätsdienstlichen und zivilen Teilnehmern waren auch diesmal wieder internationale Gäste beim fünften Durchgang anwesend, darunter Vertreter aus Ägypten, Bangladesch, Belgien, der Elfenbeinküste, Ghana, Indien, dem Irak, Kamerun, Malta, Norwegen, Pakistan, der Schweiz, Südafrika, Thailand, Tunesien, der Türkei, den USA und Vietnam. Mit deutlich mehr als einhundert Anmeldungen erfuhr die Veranstaltung eine hervorragende Resonanz (Abbildung 1).

Abb. 1: Gruppenfoto der Symposiumsteilnehmenden (Bildrechte: BwKrhs Hamburg).

Die musikalische Einführung übernahm das Ensemble des Hamburger Marineorchesters unter der Leitung von Herrn Fregattenkapitän d. R. Hagen Sommerfeldt, das das Publikum mit dem beschwingten Palladio von Karl Jenkins, den kontemplativen Klängen von Sergej Rachmaninows Vocalise und dem dynamischen Dreivierteltakt von Dmitri Schostakowitschs zweitem Walzer in feierlicher Weise auf das Symposiumsprogramm einstimmte (Abbildung 2).

Abb. 2: Musikalisches Präludium (Bildrechte: BwKrhs Hamburg).

Nach der Eröffnungsrede der Leiterin des Fachbereichs Infektiologie und Tropenmedizin, Frau Oberfeldarzt Dr. Dorothea Wiemer, stand die erste Session im Zeichen der Präventivmedizin. Der Festredner Prof. Dr. med. Andreas Zautner informierte über den Stand der Impfoptionen gegen seltene und hochvirulente Infektionskrankheiten wie die Pocken, Anthrax, das argentinische hämorrhagische Fieber, die Tularämie und die Pest. Im Anschluss wurden neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Dengue-Impfoptionen sowie zur Sicherheit der ­doxycyclinbasierten Malariachemoprophylaxe erörtert.

In der Infektionsdiagnostiksitzung wurde die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft geschlagen. Um die Bedeutung der im Kontext der Infektionsmedizin nicht zu unterschätzenden Histopathologie zu unterstreichen, die bei der teils schwierigen Unterscheidung zwischen harmloser Kolonisation und lebensbedrohlicher Infektion hervorragende Dienste leisten kann, widmete sich der Keynote-Vortrag der Session diesem spannenden Thema. Im Anschluss erhielten die Gäste einen Einblick in die weitere Evolution spektrometriebasierter Diagnostik mikrobieller Infektionserreger. Am Beispiel der flügelstrukturgestützten Identifikation von Vektorarthropoden wurde die zunehmende Bedeutung der diagnostischen Mustererkennung auf Basis künstlicher Intelligenz veranschaulicht. Abgerundet wurde die Sitzung durch eine Demonstration der Implementierung moderner diagnostischer Molekularbiologie in infektionsdiagnostische Algorithmen im Einsatz durch das mikrobiologische Leitlabor des Sanitätsdiensts.

Die Tropendermatologie begann ihre Präsentation mit dem militärmedizinischen Dauerthema der infektionsassoziierten Wunde und der Vielfalt der damit vergesellschafteten Differenzialdiagnosen, die dermatologische Expertise und Erfahrung im Einsatz unverzichtbar machen. An den Beispielen tropen- und infektionsdermatologischer Spezialisierung in den Tropen Sri Lankas sowie am brasilianischen Amazonas wurde veranschaulicht, wie solches Expertenwissen erworben und gepflegt werden kann.

In der infektionsepidemiologischen Sitzung wurden die präventivmedizinischen Handlungsalgorithmen des ­thailändischen Sanitätsdiensts dem Fachpublikum nahegebracht und am Beispiel der lokalen Leptospirose-­Surveillance anschaulich exemplifiziert. Weitere Schwerpunkte bestanden in der Diskussion von Optionen zur Kontrolle von Vektorarthropodenpopulationen mittels vektorpathogener Viren sowie von Strategien zur Eindämmung eines hohen Infektionsdrucks durch virale Hepatitiden in Ghana.

Die Sitzung zur tropischen Entomologie beschäftigte sich unter anderem mit aktuellen Maßnahmen zur Analyse der Risiken für militärische Einsatzkräfte, die mit einer Zeckenexposition einhergehen. Anhand der Beispiele des Barmah-Forest-Virus und des Oropouche-Virus wurden Analysen zur Vektorkompetenz bei häufigen Moskitospezies näher beleuchtet. Zur Sprache kam ferner das potenzielle Transmissionsrisiko von Rickettsien durch kongolesische Zecken.

Die Sitzung zu Virulenz und Resistenz beleuchtete zunächst die Schwierigkeiten bei der Assoziation zwischen genetischen Determinanten und der tatsächlichen klinischen Virulenz am Beispiel von Burkholderia pseudomallei, dem Erreger der Melioidose. Anhand enterischer mikrobieller Pathogene wurde ferner die Bedeutung von Mischinfektionen und der mikrobiellen Populationskomposition in primär unsterilen Körperkompartimenten modelliert. Eine epidemiologische Analyse in Tansania wies auf ein lokal hohes Risiko nosokomialer Übertragung gramnegativer Erreger, insbesondere mit Resistenz gegenüber Drittgenerationscephalosporinen, hin. Schluss­endlich wurde am Beispiel humanpathogener Leishmanien-Spezies demonstriert, wie genetisch ähnliche mikrobielle Erreger klinisch sehr distinkte Krankheitsbilder verursachen können.

Auch eine Televoting-Sitzung durfte nicht fehlen, um den Symposiumsteilnehmenden die interaktive Mitarbeit an seltenen bzw. spannenden Fällen aus der Infektionsmedizin zumindest virtuell zu ermöglichen. Zu den diskutierten Fällen gehörten eine im Schnelltest falsch-negativ gebliebene Malaria quartana, ein tödlich verlaufener Fall einer zu späten Vorstellung bei fortgeschrittener HIV-Infektion, ein Tsutsugamushi-Fieber und eine systemische Kryptokokkose mit kutaner Disseminierung. Während den mitratenden Infektionsexpertinnen und -experten exotische Differenzialdiagnosen wie das Tsutsugamushi-Fieber wenig Schwierigkeiten bereiteten, zeigte die Auswertung der Televoting-Ergebnisse bei der Mitbeurteilung von Bildern der kutanen Kryptokokkose und von digitalisierten Blutausstrichen einmal mehr, dass die in naher Zukunft zu erwartende künstliche-Intelligenz-gestützte digitale Mustererkennung die Zuverlässigkeit der infektionsmedizinischen Diagnosestellung sehr wahrscheinlich weiter verbessern wird.

Die letzte Sitzung des Symposiums beschäftigte sich mit der Frage, wie durch geeignete persönliche wie auch infrastrukturelle Schutzausstattung die Sicherheit des medizinischen Personals im tropischen Einsatz erhöht werden kann. Dazu gehörte der Umgang mit hochkontagiösen Patienten sowohl am Boden als auch in der Luft sowie der persönliche Schutz vor fliegenden Vektoren der Gattung Chrysops. Frau Oberstabsarzt Hacker von der Münchner MI-2-Dienststelle schloss das Symposium mit einer gelungenen Synopsis über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der tropenmedizinischen Ausbildung im Sanitätsdienst der Bundeswehr ab. Ergänzt wurde das Symposiumsprogramm durch eine Vielzahl von Postern, die das gesamte Spektrum der Infektionsmedizin von der Diagnostik über die Epidemiologie, Vektorentomologie und Prävention bis hin zur medizinischen Patientenversorgung einschließlich des One Health-Aspekts abbildeten. Die Posterwände luden insbesondere während der Pausen zu einem vertieften fachlichen Austausch ein (Abbildung 3).

Abb. 3: Vertiefung des fachlichen Austauschs vor der Posterwand (Bildrechte: BwKrhs Hamburg)

Der Festabend des Symposiums im Speisesaal des Bundeswehrkrankenhauses bot traditionell ein Forum für den zwanglosen abendlichen Austausch unter den Symposiumsteilnehmenden bei Fingerfood und Getränken. Ziel war es, das kameradschaftlich-kollegiale Miteinander über die Kongresspausen hinaus fach- und länderübergreifend zu vertiefen und gemeinsame Projektplanungen anzubahnen.

Eingebettet in die Kooperationspflege des Symposiums waren auch bilaterale Maßnahmen, in deren Rahmen das Symposium durch infektionsmedizinische Fachexpertise aus Ghana, Thailand und Vietnam unterstützt wurde. Die Beiträge dieser ausländischen Gäste zum Gelingen des Symposiums wurden vom Kommandeur und Ärztlichen Direktor im Rahmen der Verabschiedungszeremonie in feierlichem Rahmen gewürdigt (Abbildung 4).

Abb. 4: Feierliches Lebewohl seitens des Kommandeurs und Ärztlichen Direktors des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg an die bilateralen Gäste aus Ghana, Thailand und Vietnam im Rahmen der Verabschiedungszeremonie.

Zugleich wurde während der Verabschiedung auf den Zeitraum der Folgeveranstaltung vom 30. August bis 1. September 2028 hingewiesen. Tropen- und infektionsmedizinisch interessierte Kameradinnen und Kameraden sind insofern höflichst aufgefordert, sich diesen Termin bereits vorzumerken.

Ausgewählte Abstracts der Kongressvorträgen stehen hier zum Download zur Verfügung.

 

Verfasser

Oberfeldarzt Prof. Dr. Hagen Frickmann
Abteilung Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg

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