AIM: Das Andernacher Inventar zur militärischen Leistungsbeurteilung – Konzeption eines neuen Messinstruments für die präventivmedizinische Forschung in der Bundeswehr*
AIM: Andernach Inventory of Military Performance – Construction of a New Measurement Tool for
Preventive Medicine Research in the Bundeswehr
Alexander Witzkia, Kristina Küpera, Nils-Alexander Simonc, Ursa Nagler-Nitzschnera, Sarah Schrammb, Manuela Andrea Hoffmanna,c,d
a Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr, Andernach und ASt Koblenz
b Verbindungsstabsoffizier des Heeres am Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr – Ausbildungskommando, Leipzig
c Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
d Medizincampus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Der Beitrag wurde von A. Witzki und K. Küper in gemeinsamer Erstautorenschaft erstellt.
* Die in diesem Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehensich immer gleichermaßen auf weibliche und männliche Personen. Auf eine Doppelnennung und gegenderte Bezeichnungen wird im Allgemeinen zugunsten einer besseren Lesbarkeit, verzichtet.
Zusammenfassung
Die Erhaltung der militärischen Leistungsfähigkeit ist ein präventivmedizinisch relevanter Ansatz zur langfristigen Sicherung der Einsatzfähigkeit von Soldaten und Soldatinnen. Derzeit existieren weder eine einheitliche Definition der militärischen Leistungsfähigkeit noch ein entsprechendes Messverfahren zur Erfassung derselben. Vor diesem Hintergrund wurde vom Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr mit dem Andernacher Inventar zur militärischen Leistungsbeurteilung (AIM) ein Messinstrument entwickelt, das die für die Bundeswehr relevanten Dimensionen der allgemeinen militärischen Leistungsfähigkeit erfasst. Die Dimensionen Soldatisches Verhalten, Körperliche Leistungsfähigkeit und Geistige Leistungsfähigkeit können sowohl als Selbstbeurteilung von Soldatinnen und Soldaten als auch als Fremdbeurteilung durch Vorgesetzte sowie Kameradinnen und Kameraden erhoben werden.
Erste Auswertungsergebnisse zeigen, dass AIM ein reliables, objektives und testökonomisches Verfahren mit hoher Augenscheinvalidität ist und sich hervorragend für die Erhebung allgemeiner militärischer Leistungsfähigkeit in präventivmedizinischen Studien eignet.
Schlüsselwörter: Selbsteinschätzung, Fremdeinschätzung, militärische Leistung, 360°-Feedback
Summary
Soldiers’ military performance is an important preventive medical factor in maintaining long-term combat readiness. Currently, military performance lacks both a clear definition and suitable measurement tools. Against this backdrop, the Bundeswehr Institute of Preventive Medicine has developed the Andernach Inventory of Military Performance (AIM). With the dimensions ofsoldiering, physical performance and mental performance, AIM covers all aspects of general military performance relevant to the Bundeswehr. It allows for self-assessment as well as performance appraisal by superiors and peers. Preliminary results indicate that AIM has high face validity and meets established standards of reliability, objectivity, and test efficiency. Overall, it is eminently suited for measuring general military performance in the context of preventive medicine research.
Keywords: self-assessment; subjective assessment; objective assessment; military performance; 360-degree feedback
Einleitung
„Alle Soldatinnen und Soldaten müssen eine ausreichende physische und psychische Leistungsfähigkeit besitzen, um die Anforderungen des soldatischen Dienstes, jederzeit erfüllen zu können.“ [4]
Angesichts der enormen körperlichen und mentalen Anforderungen des Soldatenberufs [5] ist eine ausreichende Leistungsfähigkeit nicht nur für die Diensterfüllung, sondern auch für die Gesunderhaltung von Soldatinnen und Soldaten von entscheidender Bedeutung. So können individuelle Leistungsdefizite im militärischen Kontext erhebliche gesundheitliche Konsequenzen haben, von vermehrten Verletzungen in der Basisausbildung [15] bis hin zu einem erhöhten Risiko für einsatzbedingte Traumafolgeerkrankungen [1].
Trotz ihrer großen präventivmedizinischen Bedeutung ist individuelle militärische Leistungsfähigkeit bisher nicht einheitlich definiert (siehe Brunyé et al [2] für eine Übersicht verschiedener Definitionsversuche). Ursächlich dafür ist die Komplexität des Konstrukts, das mehrere, oft schwer voneinander abzugrenzende Dimensionen umfasst. So unterscheidet das Total Force Fitness-Konzept der US-amerikanischen Streitkräfte beispielsweise acht Domänen militärischer Leistungsfähigkeit voneinander [14]. Vielen Definitionen ist zwar gemein, dass Leistungsfähigkeit als die Befähigung einer Person beschrieben wird, ihr gestellte Aufgaben zu erfüllen (vgl. auch [4]); es mangelt aber an Konsens darüber, wie sich diese Befähigung im militärischen Kontext operationalisieren lässt [17].
In der empirischen Praxis bietet es sich deswegen an, Ersatzvariablen zur Erfassung der militärischen Leistungsfähigkeit zu nutzen. Dies können beispielsweise Ergebnisse von körperlichen Leistungstests (z. B. Basis-Fitness-Test (BFT) [4], Soldatengrundfitnesstest (SGT) [3]) oder das erfolgreiche Absolvieren eines militärischen Ausbildungsteils bzw. Lehrgangs (Abschlussübung Basisausbildung, Einzelkämpferlehrgang etc.) sein. Dieses Vorgehen bildet jedoch nur Teilaspekte militärischer Leistung ab bzw. erlaubt keine vergleichenden Messungen, z. B. über verschiedene Zeitpunkte, Ausbildungsgrade oder Verwendungen hinweg.
Derzeit stehen für präventivmedizinische Forschungsprojekte im militärischen Kontext keine allgemein verwendbaren Testinstrumente zur Erfassung der individuellen militärischen Leistungsfähigkeit zur Verfügung [17]. Ziel des vorliegenden Entwicklungsprojekts des Instituts für Präventivmedizin der Bundeswehr (InstPrävMedBw) war deshalb die Neukonzeption eines solchen Testinstruments für die Bundeswehr.
Militärische Leistungsfähigkeit innerhalb der Bundeswehr
Für die Bundeswehr lassen sich anhand der Anforderungen militärischer Tätigkeiten und auf Grundlage geltender Regelungen und Gesetze drei Dimensionen der militärischen Leistungsfähigkeit unterscheiden:
(1) Soldatisches Verhalten,
(2) Körperliche Leistungsfähigkeit und
(3) Geistige Leistungsfähigkeit.
Für die Dimension (1) Soldatisches Verhalten sind – neben dem soldatischen Selbstverständnis [18] – die im Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten [12] verankerten soldatischen Pflichten maßgeblich. Von zentraler Bedeutung sind dabei insbesondere die Kameradschaftspflicht (§ 12), die Wahrheitspflicht (§ 13) und die Gehorsamspflicht (§ 11).
Die Dimension (2) Körperliche Leistungsfähigkeit leitet sich aus der Allgemeinen Regelung „Körperliche Leistungsfähigkeit“ (A2–224/0–0-1) [3] ab. Wie in der Regelung beschrieben sind für die Bewältigung militärischer Tätigkeiten neben den Leistungsparametern Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit bzw. Gewandtheit auch Robustheit und Gesundheit ausschlaggebend [3].
Die Dimension (3) Geistige Leistungsfähigkeit bezieht sich auf mentale Fähigkeiten, die für die Bewältigung der psychischen [10] und kognitiven Anforderungen [6] militärischer Tätigkeiten entscheidend sind. Von grundlegender Bedeutung sind dabei ein ausreichendes Maß an Lernfähigkeit, Aufnahmefähigkeit und Kommunikationsfähigkeit sowie die erfolgreiche Verarbeitung und Umsetzung von Informationen. Bestimmte Verwendungen und Spezialisierungen können darüber hinaus zusätzliche, z. T. deutlich komplexere mentale Fähigkeiten erfordern (z. B. [7]).
Die einzelnen (Sub-)Dimensionen militärischer Leistungsfähigkeit sind nicht voneinander unabhängig, sondern interdependent (z. B. [16]) und weisen teils große Überschneidungen auf (z. B. [13]). Folgerichtig erfordert die erfolgreiche Bewältigung militärischer Aufgaben in der Regel ein Zusammenspiel von mehreren Fähigkeiten und Verhaltensmustern, die z. T. in unterschiedlichen (Sub-)Dimensionen kategorisiert sein können [11].
Das Andernacher Inventar zur militärischen Leistungsbeurteilung (AIM)
Die Zielvorgabe für das neu zu entwickelnde Messinstrument war die Erfassung der individuellen militärischen Leistungsfähigkeit in allen für die Bundeswehr relevanten Dimensionen. Dabei sollte die Leistung aller Soldaten unabhängig von ihrer Verwendung und ihren Spezialisierungen beurteilbar sein. Darüber hinaus sollte das Verfahren sowohl von den Soldaten selbst als auch von ihrem Umfeld im Sinne eines 360°-Feedbacks eingesetzt werden können. Um einen möglichst großen Anwenderkreis zu erreichen, sollte das Verfahren zudem ohne Erläuterungen durch Fachexperten oder Testleitende anwendbar und, angesichts starker Bildungsunterschiede innerhalb des militärischen Personals [9], möglichst einfach verständlich sein. Zur Gewährleistung der Testökonomie sollte das Verfahren möglichst wenig Zeit in Anspruch nehmen und für Gruppentestungen geeignet sein.
Auf Grundlage dieser Vorgaben wurde zunächst ein Kurzfragebogen konzipiert und erfahrenem militärischen Führungs- und Ausbildungspersonal (Dienstgradgruppen: Unteroffiziere ohne Portepee bis Stabsoffiziere) vorgelegt1. Anhand deren Rückmeldungen wurde der Fragebogen hinsichtlich seiner Verständlichkeit und Durchführbarkeit optimiert und anschließend in mehreren Forschungsprojekten des InstPrävMedBw erprobt2.
Das so entwickelte Andernacher Inventar zur Militärischen Leistungsbeurteilung (AIM) dient der Messung der allgemeinen militärischen Leistungsfähigkeit im Verständnis der Bundeswehr. Es besteht aus drei Items, die durch die ausfüllende Person auf einer deutschen Notenskala (1–6) beurteilt werden, und kann sowohl zur Selbst- als auch zur Fremdbeurteilung genutzt werden.
Struktur des Messinstruments
Die drei Dimensionen militärischer Leistungsfähigkeit wurden im AIM anhand von drei Items operationalisiert (Tabelle 1). Jedes der Items setzt sich aus dem Namen der Dimension und einer kurzen Beschreibung zusammen, die der ausfüllenden Person alle relevanten Aspekte (Sub-Dimensionen) der jeweiligen Dimension vergegenwärtigen und so deren vollumfängliche Beurteilung ermöglichen soll.
Tab 1: Test-Items
Eine kleinteiligere Operationalisierung der Sub-Dimensionen anhand mehrerer separater Items erwies sich im Rahmen der Konzeption und der Experteninterviews als nicht praktikabel. Besonders relevant war in diesem Zusammenhang, dass die Items der Sub-Dimensionen teilweise eine komplexe Erläuterung erforderten. Ein Beispiel ist die Sub-Dimension „Kameradschaft“ der Dimension Soldatisches Verhalten.Sie wird im Soldatengesetz folgendermaßen definiert:
„Der Zusammenhalt der Bundeswehr beruht wesentlich auf Kameradschaft. Sie verpflichtet alle Soldaten, die Würde, die Ehre und die Rechte des Kameraden zu achten und ihm in Not und Gefahr beizustehen. Das schließt gegenseitige Anerkennung, Rücksicht und Achtung fremder Anschauungen ein.“ [12]
Angesichts dieser Definition müsste ein entsprechendes Einzelitem zwangsläufig sehr komplex formuliert werden. Damit wäre die angestrebte Voraussetzung einer einfachen Verständlichkeit des Messinstruments gefährdet. Hinzu kommt, dass Sub-Dimensionen wie die Informationsverarbeitung und die Lernfähigkeit selbst von Fachexperten im Rahmen von AIM nicht (einfach) zu beurteilen sind. Verbunden mit der bereits erwähnten Interdependenz der Sub-Dimensionen würde eine kleinteiligere Operationalisierung insgesamt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einer höheren Fehlervarianz bei der Datenerhebung führen, was die Reliabilität und Validität des Messinstruments negativ beeinflussen würde.
Antwortskala
Bei der Konstruktion der Beurteilungsskala für AIM wurde der Fokus auf die einfache Verständlichkeit der Skala gelegt. Da angenommen werden kann, dass alle deutschen Soldaten mit dem deutschen Schulnotensystem vertraut sind, wurde eine sechsstufige Skala mit den in Tabelle 2 dargestellten verbalen Ankern verwendet.
Tab 2: Beurteilungsskala mit verbalen Ankern
Obwohl es sich hier streng genommen um eine Ordinalskala handelt, wird – vergleichbar mit dem Vorgehen bei klassischen Likert-Skalen – eine quasimetrische Verteilung der Werte angenommen und die Skala als Intervallskala genutzt.
Auswertung
Aufgrund der angenommenen Gleichwertigkeit der mittels der Einzelitems operationalisierten Dimensionen der Leistungsfähigkeit wird das AIM-Gesamtergebnis als ungewichteter arithmetischer Mittelwert der Einzelitems berechnet. Der resultierende Wert liegt dementsprechend, wie die Werte der Einzelitems, zwischen 1 und 6 und lässt sich entsprechend der Beurteilungsskala einfach interpretieren.
Testgütekriterien/Psychometrische Qualität
Neu entwickelte Messverfahren müssen bestimmte Testgütekriterien erfüllen. Insbesondere sollen die Validität, die Objektivität und die Reliabilität eines Verfahrens sichergestellt sein [8].
Die Frage der Validität, also inwiefern ein Testverfahren misst, was es messen soll, kann für AIM noch nicht abschließend beantwortet werden. Zwar zeigten die im Rahmen der Testkonstruktion durchgeführten Experteninterviews eine hohe Augenscheinvalidität; Untersuchungen zur Konstruktvalidität, zur diskriminanten Validität oder zur Kriteriumsvalidität stehen aber noch aus. Nach Abschluss laufender Forschungsprojekte des InstPrävMedBw wird es allerdings möglich sein, den Zusammenhang von AIM-Ergebnissen mit anderen Indikatoren militärischer Leistung, wie BFT- und SGT-Ergebnissen oder dem Lehrgangserfolg im Einzelkämpferlehrgang, zu quantifizieren.
Objektivität beschreibt, inwiefern die Ergebnisse eines Testverfahrens unabhängig von den Personen sind, die das Verfahren durchführen, auswerten und die Testergebnisse interpretieren. Durchführungs- und Auswertungsobjektivität werden für die Selbst- und Fremdbeurteilung mittels AIM durch schriftliche Instruktionen sowie durch ein standardisiertes Auswertungsverfahren gewährleistet, das keinen Interpretationsspielraum für die Auswertenden vorsieht. Die Interpretationsobjektivität ist dagegen derzeit nicht vollständig gegeben. Zwar ist die Deutung des Testergebnisses unabhängig vom Diagnostiker, jedoch liegen bisher keine Normwerte vor. Somit kann ein Vergleich verschiedener Testergebnisse immer nur innerhalb derselben Stichprobe erfolgen.
Hinweis: α = Cronbachs Alpha; # = Die Studien sind im Artikel „Grundausbildung als präventivmedizinisches Untersuchungsmodell: Entwicklung eines standardisierten Studiendesigns zur Erfassung von Prädiktoren militärischer Leistung, Stressempfinden und Gesundheitserleben“ in diesem Heft näher beschrieben und werden entsprechend der dort verwendeten Terminologie als Pilotstudie 1 und Pilotstudie 2 bezeichnet; * = Die Testzeitpunkte werden in dem in Hinweis zu # genannten Artikel beschrieben und in der dortigen Abbildung 2 dargestellt.
Die als Reliabilität bezeichnete Zuverlässigkeit von Testverfahren lässt sich anhand verschiedener statistischer Verfahren ermitteln. Für AIM sind die Äquivalenz (interne Konsistenz) und die zeitliche Stabilität der Testergebnisse im Rahmen von Messwiederholungen (Retest-Reliabilität) relevant und wurden, wie im Folgenden beschrieben, geprüft.
Zur Ermittlung der Äquivalenz der AIM-Selbstbeurteilung wurde Cronbachs Alpha als interner Konsistenzkoeffizient in verschiedenen Stichproben berechnet3. Die in Tabelle 1 berichteten Werte der Selbstbeurteilung variieren stark zwischen α = 0,52 und α = 0,88. Dabei stellt der Wert von α = 0,524 einen Ausreißer dar, der vermutlich auf den spezifischen Zeitpunkt der zugrundeliegenden Datenerhebung zurückgeht, zu dem die Studienteilnehmenden mit ihrer persönlichen militärischen Leistungsfähigkeit noch sehr wenig vertraut waren (vgl. Artikel zur Grundausbildung als präventivmedizinischem Untersuchungsmodell in diesem Heft, S. 540-545). Insgesamt legen die Ergebnisse zur internen Konsistenz den Schluss nahe, dass mit den Dimensionen des AIM ein gemeinsames homogenes Konstrukt erfasst wird.
In einer Studie zur Abklärung des idealen Testzeitpunkts zum Ende der Basisausbildung konnte im zeitlichen Abstand von 16 Tagen eine wiederholte Messung der AIM-Selbstbeurteilung erfolgen. Dabei wurde eine Retest-Reliabilität von r = 0,79 (N = 32) ermittelt. Die Studienteilnehmer waren männliche Rekruten gegen Ende der Basisausbildung und damit Soldaten mit minimaler militärischer Erfahrung. Es ist anzunehmen, dass die militärische Leistungsfähigkeit zu Beginn der militärischen Laufbahn stärkeren Veränderungen unterliegt als zu späteren Zeitpunkten. Daher liegt der Schluss nahe, dass die zeitliche Stabilität der AIM-Ergebnisse bei Stichproben mit mehr Diensterfahrung vergleichbar oder höher ausfällt. Selbstverständlich müssen sich diese Hypothese, ebenso wie die Annahme, dass auch für Soldatinnen die zeitliche Stabilität der Ergebnisse gegeben ist, in Zukunft empirisch bewähren.
Fazit und Ausblick
Mit dem AIM stellt das InstPrävMedBw ein Befragungsinstrument zur Selbst- und Fremdbeurteilung der individuellen militärischen Leistungsfähigkeit im Verständnis der Bundeswehr bereit. Das Verfahren ist reliabel, objektiv und weist eine hohe Augenscheinvalidität auf. Aufgrund der geringen Anzahl an Items und der Verwendung einer einfach verständlichen Skala zur Bewertung ist das Verfahren zudem ökonomisch und steht einer Vielzahl von Anwendern offen. AIM ist zur Erhebung wissenschaftlicher Daten geeignet und wird bereits in einer Reihe präventivmedizinischer Forschungsprojekte des InstPrävMedBw eingesetzt. Für die Zukunft sind zusätzliche Untersuchungen zur Validität sowie die Erhebung von soldatischen Stichproben mit unterschiedlichen Verwendungen und Spezialisierungen zum Zwecke der Normierung des Messverfahrens geplant.
Kernaussagen
- Die Erfassung der militärischen Leistungsfähigkeit ist ein wichtiger Faktor für die präventivmedizinische Unterstützung von Soldatinnen und Soldaten.
- Bisher gibt es weder eine einheitliche Definition noch ein einheitliches Messverfahren zur Erfassung der allgemeinen militärischen Leistungsfähigkeit.
- Militärische Leistungsfähigkeit in der Bundeswehr kann in die Dimensionen Soldatisches Verhalten, Körperliche Leistungsfähigkeit und Geistige Leistungsfähigkeit eingeteilt werden.
- Das AIM erfasst die für die Bundeswehr relevanten Dimensionen militärischer Leistungsfähigkeit und kann sowohl zur Fremd- als auch zur Selbstbeurteilung genutzt werden.
- AIM ist ein reliables, objektives und testökonomisches Verfahren mit einer hohen Augenscheinvalidität.
Literatur
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Manuskriptdaten
Zitierweise
Witzki A, Küper K, Simon NA, Nagler-Nitzschner U, Schramm S, Hoffmann MA. AIM: Das Andernacher Inventar zur Militärischen Leistungsbeurteilung – Konzeption eines neuen Messinstruments für die präventivmedizinische Forschung in der Bundeswehr. WMM 2026;70(11): 553-557.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-1000
Für die Verfasser
Regierungsdirektor Dr. Alexander Witzki
Fachbereich A3 – Psychische Leistungsfähigkeit
Abteilung A – Gesundheits- und Leistungsförderung, Koblenz
Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr, Andernach
Aktienstraße 87, 56626 Andernach
E-Mail: InstPraevMedBwA3@bundeswehr.org
Manuscript Data
Citation
Witzki A, Küper K, Simon NA, Nagler-Nitzschner U, Schramm S, Hoffmann MA. [AIM: Andernach Inventory of Military Performance – Construction of a new measurement tool for preventive medicine research in the Bundeswehr]. WMM 2026;70(11):553-557.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-1000
For the Authors
Dr. Alexander Witzki
Division A3 – Performance Psychology
Department A – Health- and Fitness Promotion, Koblenz
Bundeswehr Institute of Preventive Medicine, Andernach
Aktienstraße 87, D-56626 Andernach
E-Mail: InstPraevMedBwA3@bundeswehr.org
1 Die Verfasser danken der Führung und den Angehörigen der 10./FschJgRgt 26 für ihre Unterstützung.
2 Empirische Untersuchung zu psychischen Einflussfaktoren auf Befinden und Leistung von Rekrutinnen und Rekruten in der Grundausbildung (Projekt-Nr.: 02/06/2024).
3 Die Studien sind im Artikel „Grundausbildung als präventivmedizinisches Untersuchungsmodell: Entwicklung eines standardisierten Studiendesigns zur Erfassung von Prädiktoren militärischer Leistung, Stressempfinden und Gesundheitserleben“ in diesem Heft näher beschrieben und werden analog der dort verwendeten Terminologie als Pilotstudie 1 und Pilotstudie 2 bezeichnet.
4 Cronbachs Alpha für die 32 männlichen Studienteilnehmer, die an allen drei Messzeitpunkten teilnahmen betrug zu t1 nur 0,31.