Bericht über das 2. TENuK-Symposium vom 30. März bis 1. April 2026 in Idstein
Das zweite Symposium für Taktische Einsatz-, Notfall- und Katastrophenmedizin (TENuK) fand in der Stadthalle von Idstein/Taunus vom 30. März bis zum 1. April 2026 statt. Diese Veranstaltung wurde vom Bildungszentrum für Gefahrenabwehr und Krisenmanagement der Hochschulen Fresenius sowie von der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie organisiert. Das diesjährige Symposium stand für realitätsnahe, interdisziplinäre Ausbildung in der Gefahrenabwehr. Unter dem Leitgedanken „Praxisnah und interdisziplinär lernen, gemeinsam handeln – Forschung und Bildung für eine widerstandsfähige (medizinische) Gefahrenabwehr“ wurde ein Raum geschaffen für fachübergreifenden Austausch zwischen Wissenschaft, Ausbildung und Einsatzpraxis.
Die Tagung wurde mit einer Reihe von Grußworten eröffnet. Prof. Dr. Roman Poseck, Hessischer Minister des Innern für Sicherheit und Heimatschutz, unterstrich die besondere Verantwortung des Staates bzw. des Landes für den Katastrophenschutz. Die Präsidentin der Hochschulen Fresenius, Dr. Evelyn Ehrenberger, verwies auf die Bedeutung der praxisbezogenen Ausbildung in den Bereichen Gefahrenabwehr und Krisenmanagement. Der Ehrenpräsident der Hochschule, Ludwig Fresenius, bezog sich in seiner Ansprache auf den besonderen Auftrag seiner Institution, Theorie und Praxis in der Weiterbildung zusammenzufassen. Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie, führte aus, dass in Zeiten wachsender sicherheitspolitischer Anforderungen und dynamischer technologischer Entwicklungen die Zusammenarbeit zwischen Institutionen sowie zwischen den Professionen zivil und militärisch eine besondere Rolle spielen muss (Abbildung 1).
Abb. 1: Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie, bei der Übergabe seines Coins an die Veranstalter. Von links nach rechts: Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert, die Präsidentin der Hochschulen Fresenius, Dr. Evelyn Ehrenberger, Prof. Dr. Dr. Philipp Merkt, Dr. Sabrina Ziehr und Moderator Mike Mann.
Es handelte sich insgesamt um ein spannendes und sehr lebendiges TENuK-Symposium, das dank der ausgewogenen Programmgestaltung und der exzellenten Redner einen erheblichen Erkenntnisgewinn für alle Teilnehmer gebracht hat.
Auf Basis der Einteilung der Themenblöcke sowie der gekonnten Moderation von Mike Mann wurden Vortragende und das Auditorium stilvoll durch die Themen geführt. Der Vormittag des 30. März 2026 wurde von Dr. Sabrina Ziehr und Prof. Dr. Dr. Philipp Merkt eingeleitet, die über das wissenschaftliche Denken im Berufsalltag vortrugen und ein lebenslanges Lernen postulierten (Abbildung 2). Ihr Motto „Hinterfragen, reflektieren, verstehen“ sollte sich auch in der Gefahrenabwehr wiederfinden. Prof. Dr. Daniel Kaptain berichtete über die gestiegenen Anforderungen an Einsatzkräfte weltweit. Die vorhandenen Ressourcen sind hingegen immer knapp. Dieses Gap muss durch die „Human Performance Optimization“ gezielt geschlossen werden. Hier liegt der Schlüssel zum Lernen und zur Widerstandsfähigkeit (Abbildung 3). Privatdozent Dr. Ulrich Wesemann vom Psychotraumazentrum der Bundeswehr in Berlin ging in seinem Vortrag auf die Sollbruchstellen der Widerstandsfähigkeit ein. Er berichtete über das CASH-Projekt (Calamities, Anxiety, Stress, Hostility), das die Auswirkungen von Großschadensereignissen auf die Psyche von Einsatzkräften untersucht. Die systematische Auswertung dieses Projekts hilft, diese speziellen Kräfte besser auf zukünftige Krisen und Katastrophen vorzubereiten. Die anschließende Plenumsdiskussion zum Thema Widerstandsfähigkeit unter Realbedingungen vertiefte die Vorträge und schloss die engagierten Fragen des Publikums ein.
Abb. 2: Dr. Sabrina Ziehr und Prof. Dr. Dr. Philipp Merkt bei ihrem Vortrag
Abb. 3: Prof. Dr. Daniel Kaptain
Im weiteren Verlauf bot der Nachmittag insgesamt sechs Workshops an. Unter dem Oberthema Ausbildung und Widerstandsfähigkeit zur Gefahrenabwehr wurden die Teilnehmenden in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Im Einzelnen standen unter anderem Ernährung als Schlüssel für Lernen und Widerstandsfähigkeit, besondere Lagen, Rechtssicherheit sowie das Thema „Realitätsnahe Ausbildung in der Gefahrenabwehr“ auf dem Programm. Der Abschluss des Tages war dem Thema Ausbildung gewidmet. Oberstarzt Dr. Matthias Beneke referierte über die Ausbildung von Nicht-Sanitätspersonal in der Bundeswehr. Dr. Krystian Pracz, CEO der DRF-Luftrettung, verglich in seinem Vortrag die Ausbildungskulturen von Piloten, HEMS-TCs (Helicopter Emergency Medical Services Technical Crew Members) und Notärzten. Das Crew-Ressource-Management sorgt schließlich dafür, dass eine gemeinsame sicherheitskritische Aufgabenkultur für die Durchführung kritischer Einsätze entsteht. Constantin Knopf berichtete über die Ausbildung von Personal im Rahmen der CBRN-Einsatzlagen. CBRN-Schutz ist ein Sammelbegriff für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren. Im Rahmen der hierzugehörigen Ausbildung ergibt es Sinn, einen modularen Einsatzplan zu entwickeln, der taktische Abläufe, Führungsstrukturen sowie materielle und personelle Anforderungen festlegt. Damit soll die Handlungssicherheit der Einsatzkräfte gestärkt werden. Die Beiträge von Knopf und Mann (Alumni des Masterstudiengangs Krisen- und Notfallmanagement) werden als gemeinsamer Impulsvortrag aufgeführt. Auch hier fand im Anschluss an die Vorträge eine engagierte Plenumsdiskussion statt.
Der nächste Tag war zunächst wieder dem Thema Lernen und Ausbildung gewidmet. Schwungvoll startete Prof. Dr. Thilo Stadelmann von der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) School of Engineering in Winterthur/Schweiz und Leiter des dortigen Center for Artificial Intelligence mit seinem Beitrag über das Lernen in komplexen Systemen (Abbildung 4). Er analysierte insbesondere die Rolle von künstlicher Intelligenz im Alltag, aber auch bei sicherheitsrelevanten Anwendungen. Dabei ging er in seinem brillanten Vortrag insbesondere auf die Fehlerquellen sowohl beim Menschen als auch bei der Maschine ein. Abschließend lautete seine Empfehlung: bi-direktionales Lernen, beide Systeme müssen voneinander profitieren.
Abb. 4: Prof. Dr. Thilo Stadelmann mit seinem Thema künstliche Intelligenz
Dipl.-Ing. Florentin von Kaufmann, Leitender Branddirektor der Landeshauptstadt München, ging in seinem Vortrag auf die Ausbildung von Führungspersonal in der Notfall-Leitstelle ein. Er stellte diese Arbeit als eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe zwischen Lagebild, Ressourcenmanagement und Einsatzrealität dar. Dieses Thema wurde durch die Ausführungen von Erwin Baumann, Direktor der Hessischen Landesfeuerwehrschule, vertieft, der über die Feuerwehrführungskräfteausbildung 4.0 referierte. Christoph Lind (HEMS-TC) von der DRF-Luftrettung stellte die Zivile Luftrettung im Katastropheneinsatz vor. Dabei präsentierte er die Anforderungen an Ausbildung, Koordination und Einsatzrealität im Kontext der Human Factors. Den Abschluss des Vortragsvormittags bildete der Beitrag von Frank Meurer vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn. Sein Thema war die medizinische Ausbildung im Zivilschutz und beschäftigte sich damit, wie sie zu einer widerstandsfähigeren Gefahrenabwehr beitragen kann.
In der Gesamtbewertung handelte es sich um ein sehr gelungenes TENuK-Symposium, das durch seinen jugendlichen Schwung und seine kompetente Wissensvermehrung bestach.
Der Stil der Kongressdurchführung mit einem Moderator, der alle Sitzungen moderiert und überleitet, ist nachahmenswert.
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Generalarzt a. D.
Prof. Dr. Horst Peter Becker, Chefredakteur WMM
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