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Aktinische Keratosen – eine zunehmende Herausforderung auch im truppenärztlichen Alltag

Actinic Keratoses – an Increasing Challenge also in Daily Practice of Outpatient Military Medicine

Stephan Krausea

a Klinik für Dermatologie und Venerologie, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Zusammenfassung

UV-Licht ist ein wichtiger hautschädigender Faktor und hat das Potenzial, maligne Entartungen von Epithelzellen auszulösen. Als Vorläuferläsionen kutaner Plattenepithelkarzinome entstehen dabei sogenannte aktinische Keratosen, die möglichst immer einer Therapie zugeführt werden sollten, um den Übergang in einen invasiven Tumor zu verhindern.

Inzidenz und Prävalenz von aktinischen Keratosen sind in den letzten Jahren gestiegen. Insbesondere bei Soldaten1 zeigt sich aufgrund der, auch durch den Militärdienst bedingt, erhöhten UV-Exposition eine Zunahme der Erkrankungszahlen. Es gibt zahlreiche gute therapeutische Optionen, wobei vor allem topische Therapien aufgrund ihrer meist leichten Durchführbarkeit im truppenärztlichen Alltag Anwendung finden. Darüber hinaus sollten im Rahmen der Primär- und Sekundärprophylaxe truppenärztlich geeignete UV-Schutzmaßnahmen bei exponierten Soldaten propagiert werden.

Schlüsselwörter: aktinische Keratose, kutanes Plattenepithelkarzinom, UV-Licht, Soldaten, Lokaltherapie

Summary

UV light is an important skin-damaging factor and can trigger the malignant transformation of epithelial cells. Actinic keratoses, which are precursor lesions of squamous cell carcinoma, develop and should always be treated, if possible, to prevent progression to an invasive tumor.

Incidence and prevalence of actinic keratoses have increased in recent years. Notably, soldiers have experienced a higher number of cases attributable to greater ultraviolet exposure associated with military service. There are numerous viable therapeutic options, and topical therapies can be used in everyday military medical practice because they are usually easy to administer. In addition, as part of primary and secondary prophylaxis, suitable UV protection measures should be promoted by military physicians for exposed soldiers.

Keywords: actinic keratosis; cutaneous squamous cell carcinoma; UV light; soldiers; topical therapies

Einleitung

Als das flächenmäßig größte Organ des menschlichen Körpers fungiert die Haut insbesondere als Grenzstruktur und Schutzbarriere gegenüber äußeren Einflüssen. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass ultraviolette (UV) Strahlung aus natürlichen und künstlichen Quellen eine der größten Bedrohungen für die Hautgesundheit ist. UV-Strahlung wird nach ihrer Wellenlänge in drei Haupttypen unterteilt: UVA, UVB und UVC. Während UVC-Strahlen bereits durch die Erdatmosphäre weitgehend gefiltert werden und auch wegen ihrer geringen Eindringtiefe die „tote“ Zellschicht der Epidermis nicht zu durchdringen vermögen, können UVA- und UVB-Strahlen in unterschiedlichem Maße Hautschäden verursachen.

UVA-Strahlen dringen vergleichsweise tief in die Haut ein und sind vor allem für die vorzeitige Hautalterung verantwortlich. Das weniger tief penetrierende UVB-Licht löst Sonnenbrand aus und trägt zur DNA-Schädigung in den Hautzellen bei. Diese Schäden können im Laufe der Zeit unter anderem zur malignen Entartung und zur Bildung kutaner Plattenepithelkarzinome (kPEK, „heller Hautkrebs“) führen.

Der Prozess der Karzinombildung verläuft häufig über die Zwischenstufe der sogenannten aktinischen Keratosen (AK), die per se die Definition eines Carcinoma in situ erfüllen und auf die in diesem Artikel genauer eingegangen werden soll.

Epidemiologische Daten

Es ist verständlich, dass Inzidenz und Prävalenz von AK aufgrund der kumulativen UV-Dosis mit zunehmendem Lebensalter ansteigen. Salopp könnte man sagen, dass wir – wenn wir nur alt genug würden – alle irgendwann von hellem Hautkrebs betroffen wären. Schätzungsweise bis zu 6 Millionen Menschen weisen in Deutschland aktuell Hautveränderungen auf, die zu AK passen [5]. In den letzten Jahren ist jedoch eine alarmierende Zunahme der AK-Rate zu beobachten und entsprechende Läsionen treten zunehmend auch bei jüngeren Menschen auf. Risikoverhalten wie die Nutzung von Solarien, Sportarten mit hohem UV-Eintrag (Wasser- und Wintersport) sowie ungeschützte Exposition in sonnenreichen Gebieten haben zu dieser besorgniserregenden Entwicklung beigetragen. Wir konnten kürzlich an einem großen Kollektiv von Soldatenpatienten der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Bundeswehrkrankenhauses (BwKrhs) Berlin zeigen, dass bereits 15 % der Patienten mit einem Alter < 45 Jahre AK aufweisen, was für den truppenärztlichen Alltag sowie schließlich für die militärische Einsatzbereitschaft von Bedeutung ist [2].

Da Männer im Vergleich zu Frauen derselben Alterskohorte ein höheres Risiko haben, von AK betroffen zu sein [9], und gleichzeitig der Anteil der Männer in den Streitkräften aktuell noch deutlich über dem der Frauen liegt, konnten wir in unserer Studie eine deutliche Zunahme der AK-Häufigkeit bei Soldaten im altersbereinigten Vergleich zur Gesamtbevölkerung zeigen.

Leider lässt sich das Risiko der Entwicklung eines invasiven Plattenepithelkarzinoms aus einer einzelnen AK anhand des klinischen Bildes nicht gut abschätzen [4]. Der Großteil der verfügbaren Literatur nennt eine Spannweite von etwa 0,5 %–20 % aller AK, die früher oder später in ein kPEK übergehen [8][10]. Dabei steigt das Risiko vor allem für immunsupprimierte Personen sowie für Personen mit einer hohen Anzahl von AK. Auch die Dauer des Bestehens der Hautveränderung sowie ein größerer Durchmesser (ab ca. 1 cm) werden als Risikofaktoren für den Übergang zu einem invasiven Tumor beschrieben. Grundsätzlich ist daher stets eine Behandlung aller AK anzustreben; histologische Sicherungen sind dabei nicht obligat.

Klinisches Bild der aktinischen Keratosen

AK finden sich typischerweise auf chronisch lichtexponierter Haut, also vor allem im Gesicht (Jochbögen, Nasenrücken, Unterlippe), an den Ohren, frontoparietal bei Personen mit ausgeprägter androgenetischer Alopezie sowie an den Handrücken, den Unterarmen und dem Dekolleté [5]. Das klinische Bild ist dabei variabel und wir unterscheiden drei ineinander übergehende Ausprägungsgrade, die jedoch nicht mit der histologischen Gradierung deckungsgleich sind und in der klinischen Praxis eher weniger Berücksichtigung finden.

Die klinische Einteilung aktinischer Keratosen (AK) erfolgt hauptsächlich nach der Olsen-Klassifikation, welche die Läsionen in drei Grade einteilt [7]:

AK im klinischen Grad I entsprechen kleinen, flachen, rauen Stellen, die oft kaum sichtbar sind. Sie können rötlich oder hautfarben erscheinen und sind in der Regel nicht schmerzhaft.

Läsionen des klinischen Ausprägungsgrades II (Abbildung 1) sind erhaben, gut definiert und zeigen eine deutliche Hyperkeratose. Die Farbe kann von rötlich bis bräunlich imponieren. Manche Patienten berichten von Juckreiz oder einem brennenden Gefühl.

Abb. 1: Aktinische Keratose Grad II an der Wange

Grad III-Läsionen sind oft deutlich erhaben, größer und können eine ausgeprägte Hyperkeratose aufweisen und dabei manchmal das eindrückliche Bild eines Cornu cutaneum („Hauthorn“) (Abbildung 2) hervorrufen. Entzündliche Reaktionen und Schmerzhaftigkeit sind möglich.

Abb. 2: AK Grad III in Gestalt eines Cornu cutaneum am Oberschenkel

Ist ein flächenmäßig zusammenhängendes großes Areal entsprechender Läsionen betroffen, spricht man von einer sogenannten Feldkanzerisierung (Abbildung 3), wobei über eine genaue Definition der erforderlichen Flächenausdehnung bzw. Anzahl vorhandener AK kein Konsens besteht [1]. Eine besondere Entität ist die Cheilitis actinica. Typischerweise kommt es dabei zu einer häufig großflächigen Beteiligung des Lippenrots der Unterlippe mit Trockenheits- und Spannungsgefühlen, schuppig-krustigen Belägen und später auch Rhagaden.

Die Diagnose einer AK wird im Regelfall klinisch gestellt. In Ausnahmefällen kann jedoch eine histologische Sicherung erforderlich sein, um das Vorliegen eines kPEK auszuschließen, da sich das resultierende therapeutische Vorgehen dann signifikant ändert. Dies gilt insbesondere für dicke, stark hyperkeratotische bzw. zeitlich lang bestehende sowie auf eine topische Therapie nicht ansprechende Läsionen. Zum Einsatz kommen bei der histologischen Sicherung sowohl tangential abtragende Verfahren (die jedoch nicht zu flach sein dürfen, um eine adäquate Beurteilung zuzulassen), Stanzbiopsien und auch En-bloc-Resektionen.

Abb. 3: AK Grad III mit Feldkanzerisierung an der Kopfhaut

Therapie der aktinischen Keratosen

Für eine Übersicht und Einordnung vorhandener AK existiert für Interessierte zum Nachlesen u. a. die sehr ausführliche AWMF S3-Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“ mit Stand von Dezember 2022 [6]. Die folgende Tabelle 1 gibt einen Überblick über lokale Therapieoptionen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Tab. 1: Ausgewählte topische Präparate und deren Anwendungsmöglichkeiten

Die Behandlung unterscheidet grundsätzlich zwischen ablativen und topischen Therapien. Eine Subdifferenzierung findet dann noch in läsions- bzw. feldgerichtete Behandlungsansätze statt. Kombinationen verschiedener Verfahren sind dabei durchaus üblich. Die Palette der verfügbaren und sinnvollen Optionen ist umfangreich und orientiert sich neben patienteneigenen Aspekten auch an der klinischen Erfahrung der behandelnden Ärzte.

Ablative Therapien

Ablative Therapien sind beispielsweise Kryotherapie, Laserbehandlungen, chemische Peelings und natürlich die chirurgische Entfernung mittels Shave-Exzision, kompletter Exzision oder Kürettage. Insbesondere bei zahlenmäßig und räumlich begrenzten Einzelläsionen kommt in der dermatologischen Ambulanz des BwKrhs Berlin die Kryotherapie zum Einsatz. Aus unserer Sicht hat sich dabei ein offenes Sprayverfahren mit flüssigem Stickstoff (-196 °C) bewährt, das üblicherweise in zwei Gefrierzyklen à 10 s Gefrierzeit mit einer zwischenzeitlichen Auftauphase angewendet wird. Die Behandlung bedarf dabei bis auf ggf. eine vorherige manuelle Reduktion von ausgeprägten Hyperkeratosen der AK keiner weiteren aufwändigen Vorbereitung des Patienten; eine Lokalanästhesie ist nicht erforderlich. Zudem ist sie leicht und zügig zu erlernen und liefert gute und für den Patienten schnell sichtbare Ergebnisse.

Zum Einsatz kommen in unserer Klinik auch die erwähnten chirurgischen Maßnahmen, insbesondere dann, wenn eine histologische Sicherung angestrebt wird. Der Aufwand ist höher, da eine Lokalanästhesie im Regelfall erforderlich ist. Gegebenenfalls werden weitere Maßnahmen wie primärer Wundverschluss mittels Naht bzw. Blutstillung mittels beispielsweise Eisen(III)-Chlorid nötig. Ein Mindestmaß an operativer Erfahrung des Personals ist ebenso unabdingbar wie die Erfüllung räumlicher Voraussetzungen und die Einhaltung von operationshygienischen Standards.

Topische Therapien

Mit zunehmender Flächenausdehnung der erkrankten und behandlungsbedürftigen Hautpartien stoßen die meisten ablativen Verfahren an ihre Grenzen. Denkbar sind hier am ehesten noch chemische Peelings mit Trichloressigsäure oder Phenol, die jedoch in unserer Klinik aktuell nicht zu den angebotenen Behandlungsmöglichkeiten gehören und daher eher auf topisch anzuwendende Alternativen zurückgegriffen wird.

Die Vielzahl der dabei verfügbaren Optionen ist einerseits für den Ungeübten anfänglich eine Herausforderung, andererseits gibt es für praktisch alle denkbaren Varianten von AK gut erprobte und wirksame Therapien, die bei entsprechender Erfahrung auch relativ leicht im truppenärztlichen Bereich umzusetzen sind und somit theoretisch dort angeboten werden könnten.

Die Anwendung von Diclofenac-Natrium-haltigen Gels (z. B. Solaraze®) war lange Zeit die topische Standardtherapie in der dermatologischen Klinik des BwKrhs Berlin. Sie kommen auch noch zum Einsatz, haben jedoch insgesamt an Bedeutung verloren. Vorteil dieser Formulierung ist die Möglichkeit zur großflächigen Behandlung, auch von feldkanzerisierten Arealen. Als Nachteil kristallisierten sich einerseits die erforderliche lange Therapiedauer mit zweimal täglicher Applikation über 3 Monate sowie andererseits die vergleichsweise niedrigen Abheilungsraten heraus, die häufig wiederholte Anwendungen erfordern. Lokale Irritationen sind als häufigste Nebenwirkung insgesamt meist akzeptabel ausgeprägt und machen die Behandlung grundsätzlich gut verträglich. Wir verwenden diese Präparate vor allem bei wenig hyperkeratotischen AK des klinischen Ausprägungsgrades I-II.

Der Wirkstoff 5-Fluorouracil (5-FU) ist ebenfalls langjährig in der Behandlung von AK etabliert und zeigt in Studien die insgesamt beste Wirksamkeit. In Kombination mit 10 %iger Salicylsäure (Actikerall®) kommt er vor allem bei Einzelläsionen zum Einsatz, da die Anwendung auf eine Gesamtfläche von 25 cm² begrenzt werden sollte. Die einmal tägliche Anwendung über drei Monate ist ebenfalls als Nachteil anzusehen, jedoch kann nach Erfahrung des Autors die Behandlung meist schon nach wenigen Wochen bei Auftreten der typischen ausgeprägten lokalen Entzündungsreaktion erfolgreich beendet werden.

Als Efudix®-Creme gibt es eine 5 %ige Formulierung, die zweimal täglich über einen Zeitraum von 2–4 Wochen angewendet wird. Sie ist bis zu einer Gesamtbehandlungsfläche von ca. 23 x 23 cm zugelassen. Auch hier sind ausgeprägte lokale Entzündungsreaktionen (Abbildung 4) zu erwarten, über die Patienten möglichst im Vorfeld der Therapie aufgeklärt werden sollten.

Abb. 4: Lokale Entzündung nach Anwendung von Tolak-Creme

Zunehmend ist in unserer Klinik der Standard bei der Behandlung von AK der Einsatz einer 4 %igen 5-FU-Creme (Tolak®) geworden. Einmal tägliche Anwendung über maximal vier Wochen (Beendigung meist schon nach deutlich kürzerer Zeit vertretbar), die Möglichkeit der Behandlung sowohl von Einzelläsionen als auch von flächenmäßig grundsätzlich nicht begrenzten Arealen mit im Regelfall hervorragendem Therapieansprechen sind als Vorteile zu nennen. Nachteil ist insbesondere die zu erwartende, teils massive lokale Entzündungsreaktion. Die Aufklärung darüber im Vorfeld ist aus unserer Sicht unabdingbar und gewährleistet die Zufriedenheit und Therapieadhärenz der Patienten.

Allen 5-FU-Präparaten ist gemein, dass sie als Zytostatika nur mit einem zeitlichen Abstand von mindestens vier Wochen zu Nukleosidanaloga (z. B. Brivudin (Zostex®)) eingesetzt werden dürfen, um schwere, potenziell lebensbedrohliche toxische Nebenwirkungen zu vermeiden. Des Weiteren sind behandelte Patienten für bis zu sechs Monate nach Ende der Therapie von Blutspenden ausgenommen. Eine Kontrazeption wird für Frauen bis zu sechs Monate und für Männer bis zu drei Monate nach Ende der Therapie empfohlen.

Imiquimod existiert sowohl in einer 3,75 %-Creme-Formulierung (Zyclara®, 1 x tägliche Anwendung über 14 Tage, dann 2 Wochen Pause, anschließend Wiederholung des Schemas) als auch in einer 5 %-Creme-Formulierung (Aldara®, 3 x wöchentliche Anwendung über zunächst 4 Wochen). Dieser Toll-like-Rezeptor-Agonist bewirkt lokal eine unspezifische Aktivierung des Immunsystems, was im Nachgang zur Beseitigung von AK führen soll. Vernünftige Abheilungsraten werden laut Studienlage grundsätzlich erzielt, und lokale Irritationen sind meist akzeptabel; jedoch sind die zugelassenen Therapieschemata aus Sicht des Autors mit wiederholt eingeschobenen tageweisen bis wochenweisen Pausen nicht besonders geeignet, die Patientenadhärenz zu fördern, sodass vermehrt mit unzureichendem Therapieansprechen und -abbrüchen zu rechnen ist. In seltenen Fällen sind zudem systemische Reaktionen mit Fieberschüben beschrieben. Die Anwendung findet daher in unserer Klinik nur selten statt.

Eine spannende Innovation in der topischen Therapie von AK war die Einführung der sogenannten photodynamischen Therapie (PDT) im Jahre 2002. Dabei wird ein photosensibilisierender Wirkstoff auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen, der sich bevorzugt in den malignen Zellen anreichert. Zum Einsatz in Gelform wie auch als Patch (Alacare®) kommen dabei die aus der Häm-Synthese bekannte 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) (z. B. Ameluz®) und darüber hinaus Methylaminolevulinat (MAL) (z. B. Metvix®). Nach einer kurzen Einwirkzeit wird die behandelte Hautstelle entweder mit einer speziellen Rotlichtquelle bestrahlt oder eine geräteunabhängige Tageslichtbehandlung durchgeführt, wodurch der jeweils verwendete Wirkstoff aktiviert wird. Die dadurch entstehenden reaktiven Sauerstoffspezies zerstören die malignen Zellen, während das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird. Die Abheilungsraten nach meist ein bis zwei erforderlichen Anwendungen sind gut. Nachteil bei der Rotlicht-PDT ist die Notwendigkeit, entsprechende Bestrahlungsgeräte bereitzustellen, sowie vor allem die hohe akute Schmerzhaftigkeit der Behandlung. Die Tageslicht-PDT ist demgegenüber besser verträglich, jedoch muss aufgrund der variablen Intensität des Tageslichts mit wechselnden Ergebnissen gerechnet werden, und die Behandlung in der sonnenarmen Jahreszeit wird grundsätzlich als weniger effektiv angesehen und wäre in diesem Zeitraum daher eher nicht zu empfehlen. Seitens der Industrie sind in den letzten Jahren künstliche Tageslichtquellen auf den Markt eingeführt worden, um diese Nachteile teilweise auszugleichen.

Seit 2021 ist der Wirkstoff Tirbanibulin (Klysiri®) ebenfalls eine zugelassene Therapieoption bei der Behandlung von AK. Als relevanter Vorteil ist hier insbesondere die Kürze der Therapiedauer (1 x täglich über 5 Tage) zu nennen. Der Nachteil ist die Begrenzung des Behandlungsareals auf 25 cm². Die Studienlage zeigt eine zu den anderen topischen Präparaten vergleichbar gute Wirksamkeit sowie eine akzeptable Verträglichkeit. Unsere klinischen Erfahrungen mit diesem Präparat sind noch begrenzt, sodass es aktuell nur selten zum Einsatz kommt, was aufgrund der zahlreichen Alternativen jedoch kein Problem ist.

Nicht mehr empfohlen und nicht mehr zugelassen ist die Behandlung mit Ingenolmebutat (Picato®). Dieses Wolfsmilchpräparat wurde 2020 vom Markt genommen, nachdem in Studien ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs in den behandelten Arealen festgestellt wurde.

Systemische Behandlungsoptionen

Neben den bisher vorgestellten ablativen und topischen Verfahren existieren derzeit keine zugelassenen systemischen Behandlungsoptionen. In Studien wurde jedoch von einer signifikanten Reduktion der AK unter systemischer Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren berichtet, sodass sich hier zukünftig weitere therapeutische Alternativen ergeben könnten [3].

Fazit

Aus militärmedizinischer Sicht sind AK ein relevantes Problem, das gemäß aktuellen Daten das Potenzial hat, sich in den kommenden Jahren noch weiter zuzuspitzen, da es zunehmend auch jüngere Militärangehörige betrifft. Die wichtigste mögliche Komplikation von AK ist die Entwicklung eines invasiven hellen Hautkrebses. Das für die Erkrankung ursächliche UV-Licht hat zudem das Potenzial, schwarzen Hautkrebs zu induzieren.

Konsequenter UV-Schutz ist essenziell

Die Primärprävention umfasst daher vor allem einen konsequenten UV-Schutz, für den die Soldaten auch und insbesondere über den Truppenarzt sensibilisiert werden sollten. Die Bereitstellung geeigneter UV-Schutz-Produkte nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein; zudem ist besonders ein textiler Lichtschutz zu fordern, der jedoch in klimatisch anspruchsvollen Einsatzgebieten ggf. schwer durchsetzbar sein kann.

Risikosportarten sollten für die Soldaten als solche benannt und insbesondere das Aufsuchen von Solarien klar als kontraproduktiv gekennzeichnet werden. Hilfreich kann es sein, die Soldaten auf das Potenzial der UV-bedingten Hautalterung mit vorzeitiger Flecken- und Faltenbildung hinzuweisen.

Da neben Freizeitaktivitäten auch dienstliche Szenarien zu einer erhöhten UV-Belastung führen können, gilt es, entsprechend betroffene Soldaten (z. B. Angehörige der Marine im Bordeinsatz, Soldaten im Tropeneinsatz) zu identifizieren und über das Risiko sowie Vermeidungsstrategien zu informieren.

Patienten mit bereits manifestierten AK sollten regelmäßig im Rahmen der Sekundär- und Tertiärprävention dermatologisch vorgestellt (mindestens einmal jährlich) und zudem mit besonders wirksamen UV-Schutzpräparaten mit einem Lichtschutzfaktor (LSF) von 50+ ausgestattet werden. Entsprechende Präparate sind in der truppenärztlichen Versorgung verfügbar und sollten den Soldaten proaktiv angeboten werden. Viele der in der hier vorliegenden Arbeit aufgezählten lokaltherapeutischen Verfahren sind gut geeignet, um im truppenärztlichen Bereich eingeleitet, fortgeführt oder zumindest überwacht zu werden.

Literatur

  1. Cerio R, Dirschka T, Dréno B, et al. Actinic Keratosis, a Chronic, Progressive Disease: Understanding Clinical Gaps to Optimise Patient Management. Acta Derm Venereol. 2017 Aug 31;97(8):997-998. mehr lesen
  2. Conrad M. Inzidenzen von Hautkrebs und deren Präkanzerosen bei Angehörigen der deutschen Streitkräfte - eine monozentrische Erhebung. Dissertation [Internet]. Freie Universität Berlin, 2025.[Letzter Zugriff: 10. April 2026];verfügbar unter: https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/46823 mehr lesen
  3. Cox C, Brown S, Walpole E et al. Immune Checkpoint Inhibitors in Field Cancerization and Keratinocyte Cancer Prevention. JAMA Dermatol. 2025 Apr 1;161(4):383-390. mehr lesen
  4. Fernández-Figueras MT, Carrato C, Sáenz X, Puig L, Musulen E, Ferrándiz C, Ariza A. Actinic keratosis with atypical basal cells (AK I) is the most common lesion associated with invasive squamous cell carcinoma of the skin. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015 May;29(5):991-997. mehr lesen
  5. Grabbe, S. Nicht-melanozytärer Hautkrebs - ist das Skalpell wirklich immer indiziert? consilium Dermatologie live 2004; 9: 21-25. ISSN: 2747-6081
  6. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). S3-Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“, 2022. AWMF-Registernummer 032-022OL [Internet].AWMF.Org 2022.[Letzter Zugriff: 10. April 2026]; verfügbar unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Aktinische_Keratosen_und_PEK/LL_Aktinische_Keratosen_PEK_Kurzversion_1.0.pdf mehr lesen
  7. Olsen EA, Abernethy ML, Kulp-Shorten C, Callen JP, Glazer SD, Huntley A, McCray M, Monroe AB, Tschen E, Wolf JE Jr. A double-blind, vehicle-controlled study evaluating masoprocol cream in the treatment of actinic keratoses on the head and neck. J Am Acad Dermatol. 1991 May;24(5 Pt 1):738-743. mehr lesen
  8. Röwert-Huber J, Patel MJ, Forschner T, Ulrich C, Eberle J, Kerl H, Ste­­rry W, Stockfleth E. Actinic keratosis is an early in situ squamous cell carcinoma: a proposal for reclassification. Br J Dermatol. 2007 May;156 Suppl 3:8-12. mehr lesen
  9. Schäfer I, Reusch M, Siebert J, Spehr C, Augustin M. Health care characteristics of basal cell carcinoma in Germany: the role of insurance status and socio-demographic factors. J Dtsch Dermatol Ges. 2014 Sep;12(9):803-801. mehr lesen
  10. Thamm JR, Schuh S, Welzel J. Epidemiology and Risk Factors of Actinic Keratosis. What is New for The Management for Sun-Damaged Skin. Dermatol Pract Concept. 2024 Sep 1;14(3 S1):e2024146S. mehr lesen

Alle Bildrechte:

Klinik für Dermatologie und Venerologie, Bundeswehrkankenhaus Berlin

Manuskriptdaten

Zitierweise

Krause S. Aktinische Keratosen – eine zunehmende Herausforderung auch im truppenärztlichen Alltag. WMM 2026;70(6):287-292.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-891

Verfasser

Oberfeldarzt Dr. Stephan Krause

Klinik für Dermatologie und Venerologie

Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Scharnhorststr. 13, 10115 Berlin

E-Mail: stephan1krause@bundeswehr.org">stephan1krause@bundeswehr.org

Manuscript data

Citation

Krause S. [Actinic Keratoses – an Increasing Challenge also in Daily Practice of Outpatient Military Medicine].WMM 2026;70(6):287-292.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-891

Author

Lieutenant Colonel (MC) Dr. Stephan Krause

Department for Dermatology and Venerology

Bundeswehr Hospital Berlin

Scharnhorststr. 13, D-10115 Berlin

E-Mail: stephan1krause@bundeswehr.org


  1. 1 Die in diesem Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche und männliche Personen. Auf eine Doppelnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

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