„Train to Fight“ – Die Rolle der Thoraxchirurgie in der militärchirurgischen Ausbildung der Bundeswehr
“Train to Fight” – The Role of Thoracic Surgery in Military Surgical Training within the Bundeswehr
Andreas Westerfelda, Abazid Alexanderb, Aliona Wöhlerc, Jan Sölterd
a Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
b Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Bundeswehrkrankenhaus Berlin
c Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
d Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
Zusammenfassung
Thoraxverletzungen und thoraxnahe Infektionen sind im militärischen Einsatz weiterhin eine relevante Ursache potenziell vermeidbarer Mortalität. Spezialisierte Thoraxchirurgen stehen regelhaft erst ab Role 3 zur Verfügung, sodass thoraxchirurgische Kompetenzen integraler Bestandteil der einsatzchirurgischen Ausbildung sein müssen. Der Beitrag analysiert die strukturellen Voraussetzungen an den vier Bundeswehrkrankenhäusern in Hamburg, Berlin, Koblenz und Ulm und diskutiert die Diskrepanz zwischen der zivilen Weiterbildungsordnung und dem militärischen Ausbildungsbedarf. Es wird ein modularer, standortübergreifender Ausbildungsansatz vorgeschlagen, der rotationsbasierte Konzepte mit einsatzrelevanter Schwerpunktsetzung kombiniert.
Schlüsselwörter: Thoraxchirurgie, Militärchirurgie, Weiterbildung, Role 3, Damage Control Surgery, Bundeswehr
Summary
Thoracic trauma and thoracic infections remain significant contributors to potentially preventable mortality in military operations. Specialized thoracic surgeons are generally available only at Role 3 facilities, making thoracic competencies essential for deployed surgeons. This article analyzes structural conditions at the four Bundeswehr hospitals and highlights discrepancies between civilian training regulations and military operational requirements. A modular, rotation-based training concept adapted to operational needs is proposed.
Keywords: thoracic surgery; military surgery; training; role 3; damage control surgery; Bundeswehr medical service
Einleitung und Problemstellung
Thoraxverletzungen, thoraxnahe Infektionen sowie komplexe Zugangswege zum Brustkorb gehören zu den entscheidenden Herausforderungen der Militärchirurgie [5][8][10][11]. In bewaffneten Konflikten sind penetrierende und stumpfe Thoraxtraumata weiterhin eine der häufigsten Ursachen für potenziell vermeidbare Todesfälle, insbesondere wenn sie mit massiver Blutung oder respiratorischer Insuffizienz einhergehen [1]. Analysen militärischer Register aus Einsätzen im Irak und in Afghanistan zeigen, dass thorakale Verletzungen einen relevanten Anteil an traumatisch versorgten Verwundeten ausmachen und mit einer signifikant erhöhten Mortalität assoziiert sind [11].
Trotz moderner Körperschutzsysteme und verbesserter präklinischer Versorgung bleiben thorakale Geschoss- und Explosionsverletzungen ein häufiges Verletzungsmuster im militärischen Kontext. Systematische Übersichtsarbeiten belegen, dass thorakale Schussverletzungen auch in aktuellen Einsatzszenarien eine relevante operative Herausforderung darstellen und nicht selten chirurgische Interventionen bis hin zur Thorakotomie erforderlich machen [5][11]. Daten aus Role-3-Feldkrankenhäusern zeigen, dass mehr als zehn Prozent aller Traumaaufnahmen thorakale Verletzungen aufweisen, die häufig mit zusätzlichen Verletzungsmustern einhergehen und eine differenzierte chirurgische Versorgung erfordern [5].
Neben dem akuten Trauma gewinnen thoraxnahe septische Komplikationen im Verlauf des prolongierten Einsatzes zunehmend an Bedeutung. Posttraumatische Pleuraempyeme und postoperative Infektionen treten insbesondere bei schwerem Thoraxtrauma, verzögerter Versorgung oder signifikanter Kontamination auf und sind eine relevante Morbiditätsursache [6]. Auch wenn ein Großteil der verfügbaren Daten aus dem zivilen Bereich stammt, lassen sich diese Erkenntnisse aufgrund vergleichbarer pathophysiologischer Mechanismen auf den militärischen Einsatz übertragen [4][5].
Aktuelle Leitlinien zur Versorgung thorakaler Verletzungen betonen die Notwendigkeit einer frühzeitigen chirurgischen Entscheidungsfindung sowie die Beherrschung offener Zugangswege und infektiologischer Komplikationen, insbesondere unter ressourcenlimitierten Bedingungen [7]. Diese Aspekte unterstreichen die besondere Bedeutung thoraxchirurgischer Kompetenzen in der Ausbildung von Militärchirurgen, da spezialisierte Thoraxchirurgen regelhaft erst ab der sanitätsdienstlichen Rolle 3 verfügbar sind [1][6][7].
Vor diesem Hintergrund steht die thoraxchirurgische Weiterbildung innerhalb der Bundeswehr in einem ausgeprägten Spannungsfeld zwischen einer zunehmend zivil geprägten, hochspezialisierten Versorgungsrealität und den formalen Anforderungen der ärztlichen Weiterbildungsordnung. Letztere orientiert sich primär an elektiven Eingriffen und klar definierten Fallzahlen, während einsatzchirurgische Szenarien ein breites, indikationsübergreifendes Kompetenzprofil mit hoher Entscheidungs- und Handlungssicherheit unter limitierenden Rahmenbedingungen erfordern. Ziel dieses Beitrags ist es, die Bedeutung thoraxchirurgischer Kompetenzen für die Militärchirurgie darzustellen und die aktuelle Ausbildungsrealität an den vier Bundeswehrkrankenhäusern in Hamburg, Berlin, Koblenz und Ulm kritisch zu analysieren.
Thoraxchirurgie und Einsatzchirurgie – fachliche Relevanz im Kontext der Weiterbildungsordnung
Die Weiterbildungsordnung für das Fach Thoraxchirurgie umfasst ein breites operatives Spektrum, das von diagnostischen Eingriffen über offene und minimalinvasive Zugangswege bis hin zu komplexen anatomischen Lungenresektionen reicht [3]. Diese Struktur orientiert sich primär an der zivilen Regelversorgung sowie an den Anforderungen der onkologischen Thoraxchirurgie in spezialisierten Zentren [2][3]. Für die Einsatzchirurgie ist jedoch weniger die hochspezialisierte elektive Lungenchirurgie von Bedeutung als vielmehr die Fähigkeit, thoraxchirurgische Krankheitsbilder und Verletzungen sicher, pragmatisch und unter eingeschränkten personellen, apparativen und logistischen Ressourcen zu beherrschen (Tabelle 1) [1][5][8].
Tab.1: Übersicht der Eingriffe in Abhängigkeit der WBO und militärchirurgischen Relevanz
Gleichzeitig sind in der Weiterbildungsordnung verbindliche Operationszahlen festgelegt, die insbesondere für anatomische Lungenresektionen hohe Fallzahlen voraussetzen [3]. Diese Anforderungen stehen zunehmend im Widerspruch zur Versorgungsrealität vieler militärischer Standorte, an denen thoraxchirurgische Eingriffe zwar einsatzrelevant, jedoch nicht in ausreichender Anzahl und in notwendiger Tiefe durchgeführt werden können. Für die einsatzchirurgische Ausbildung ergibt sich daraus ein strukturelles Dilemma: Einerseits werden thoraxchirurgische Kompetenzen zwingend benötigt, andererseits sind diese im zivilen Versorgungssystem stark zentralisiert und durch formale Weiterbildungsanforderungen reglementiert [2][3].
Strukturelle Voraussetzungen und ihre Auswirkungen auf die Ausbildung
Die Versorgung komplexer thoraxchirurgischer Krankheitsbilder ist in Deutschland an klar definierte strukturelle Voraussetzungen gebunden. Diese umfassen insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Pneumologie, Onkologie, Radiologie und Pathologie sowie die Einhaltung von Mindestmengen bei größeren Lungenresektionen. De facto sind diese Voraussetzungen derzeit nur am Standort Ulm in vollem Umfang gegeben.
Diese strukturelle Konzentration führt dazu, dass größere thoraxchirurgische Eingriffe, insbesondere anatomische Lungenresektionen, nahezu ausschließlich dort möglich sind. Für die Bundeswehr bedeutet dies einerseits eine hohe Versorgungsqualität im onkologischen Kontext, andererseits eine deutliche Einschränkung der Ausbildungsbreite an den übrigen Standorten. Die notwendige Spezialisierung kollidiert mit dem militärischen Bedarf an breit einsetzbaren Chirurgen.
Standortbezogene Betrachtung
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
Das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg spielt in der thoraxchirurgischen Ausbildung eine besondere Rolle. Aufgrund der eingeschränkten eigenen pneumologischen und thoraxchirurgischen Infrastruktur ist der Standort in hohem Maße auf Kooperationen mit zivilen Kliniken angewiesen. Diese strukturelle Limitierung erweist sich jedoch zugleich als didaktische Chance.
Durch die enge Zusammenarbeit mit benachbarten Kliniken können angehende Einsatzchirurgen operative Zugangswege zum Thorax in einem kontrollierten und sicheren Umfeld erlernen. Insbesondere offene Zugänge, die im zivilen Alltag zunehmend an Bedeutung verlieren, können hier gezielt vermittelt werden. So sind z. B. Sternotomien bei retrosternaler Strumalage im größten Schilddrüsenzentrum Deutschlands möglich und werden vom militärischen Thoraxchirurgen betreut und zur Ausbildung genutzt. Dies entspricht in besonderem Maße den Anforderungen der Einsatzchirurgie, in der improvisierte und offene Verfahren häufig den Standard bilden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der septischen Thoraxchirurgie. Infektiöse Krankheitsbilder wie Pleuraempyeme werden entweder an den Standort verlegt oder durch gemischte Teams aus Fach- und Assistenzärzten in kooperierenden Kliniken versorgt. Diese Ausbildungsform kommt der Einsatzrealität sehr nahe, da sie interdisziplinäres Arbeiten, Entscheidungsfindung unter Zeitdruck und operative Verantwortung kombiniert.
Problematisch bleibt die fehlende Möglichkeit, größere anatomische Lungenresektionen durchzuführen. Die gesetzlichen Mindestmengen verhindern die Etablierung entsprechender Strukturen vor Ort, und auch kooperative Modelle stoßen hier an Grenzen. Perspektivisch erscheint ein Rotationsmodell sinnvoll, bei dem erfahrene Fachärzte gemeinsam mit Assistenzärzten zeitlich begrenzt an zivile Zentren entsandt werden, um operative Expertise zu erwerben und weiterzugeben.
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Die enge Nachbarschaft zwischen dem Bundeswehrkrankenhaus Berlin und der Charité, Universitätsmedizin Berlin, ist weit mehr als ein geografischer Vorteil – sie ist die Grundlage einer leistungsstarken thoraxchirurgischen Partnerschaft. Durch die Kooperation erhält das Bundeswehrkrankenhaus unmittelbaren Zugang zu hochspezialisierten Strukturen und zu einem breiten operativen Spektrum. Im Mittelpunkt steht dabei die Sicherstellung einer fundierten thoraxchirurgischen Grundkompetenz am eigenen Standort.
Dank der strukturellen Verzahnung mit der Charité können moderne Operationsverfahren, minimalinvasive Techniken sowie die Versorgung schwerer Thoraxtraumata direkt in die klinische Praxis des Bundeswehrkrankenhauses integriert werden. Dies garantiert eine hohe Behandlungsqualität und stärkt zugleich nachhaltig die militärchirurgische Expertise des Hauses.
Ein weiterer zentraler Baustein der Zusammenarbeit ist die Ausbildung. Das ausgewiesene thoraxchirurgische Know-how der Charité eröffnet den Chirurginnen und Chirurgen der Bundeswehr eine Weiterbildung auf universitärem Niveau. Gemeinsame Fallkonferenzen, interdisziplinäre Tumorboards, strukturierte Rotationen und wissenschaftliche Projekte fördern den kontinuierlichen fachlichen Austausch. So wird die militärchirurgische Qualifikation nicht nur gesichert, sondern auch systematisch weiterentwickelt und auf universitärem Standard verankert.
Eine starke onkologische und pneumologische Expertise am Bundeswehrkrankenhaus Berlin ermöglicht eine enge Vernetzung mit der Thoraxchirurgie. Größere anatomische Lungenresektionen können an der Charité auch unter aktiver Mitwirkung von Chirurginnen und Chirurgen der Bundeswehr durchgeführt werden. Infektiologische Notfälle wie Pleuraempyeme werden durch die Unterstützung thoraxchirurgischer Teams der Charité direkt am Bundeswehrkrankenhaus Berlin versorgt. Der Benefit für die deutsche militärchirurgische Aus- und Weiterbildung, insbesondere in der Höhlenchirurgie mit dem Ziel, auch unter widrigsten Bedingungen geschult und souverän Menschen in extremis helfen zu können, ist offenkundig.
Die Kooperation entfaltet ihre Wirkung jedoch nicht allein auf chirurgischer Ebene. Pflegekräfte, OP-Teams, Anästhesie, Intensivmedizin sowie alle weiteren Berufsgruppen profitieren vom intensiven Austausch. Die gemeinsame Behandlung komplexer Fälle und klar definierte, standardisierte Abläufe stärken den Teamgeist spürbar. Die interprofessionelle Zusammenarbeit wird vertieft – ein klarer Gewinn für Qualität, Patientensicherheit und Arbeitszufriedenheit.
Insgesamt steht die thoraxchirurgische Partnerschaft zwischen der Charité und dem Bundeswehrkrankenhaus Berlin für eine moderne und vernetzte Gesundheitsversorgung. Sie verbindet universitäre und militärchirurgische Praxis, sichert essenzielle chirurgische Kompetenzen und fördert die Ausbildung aller Berufsgruppen gleichermaßen. So entsteht auch ein Mehrwert sowohl für zivile als auch für militärische Patientinnen und Patienten. Es ist ein starkes Signal für die Zukunft der gesamten zivil-militärischen Zusammenarbeit.
Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz deckt die Diagnostik und Therapie der vorgenannten Fachgebiete vollumfänglich ab. Als zertifiziertes Krankenhaus mit der Zulassung zum Schwerstverletzungsartenverfahren (SVAV) und als überregionales Traumazentrum gewährleistet es in enger Zusammenarbeit mit den Nachbardisziplinen die Notfallversorgung schwerstverletzter Patientinnen und Patienten.
Im Katholischen Klinikum Koblenz-Montabaur am Standort Marienhof ist die Klinik für Thoraxchirurgie etabliert, die umfassend gut- und bösartige Erkrankungen der Lunge, des Brustkorbs und des Mediastinums minimalinvasiv sowie offen operativ behandelt. Als zertifiziertes Lungenkrebszentrum liegt hier der Schwerpunkt auf der Therapie bösartiger Tumorerkrankungen.
Beide Einrichtungen verfügen über eine ausgewiesene thoraxchirurgische Expertise und tragen maßgeblich zur spezialisierten Versorgung thorakaler Erkrankungen in der Region Koblenz bei. Im Rahmen der klinischen Zusammenarbeit werden folgende Ziele angestrebt und aktuell umgesetzt:
- Rotations- und Hospitationsmöglichkeiten für Weiterbildungsassistenz- und Fachärzte,
- Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen, leitliniengerechten thoraxchirurgischen Versorgung,
- Etablierung standardisierter Behandlungspfade für komplexe thorakale Erkrankungen (z. B. nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, Pleuraerkrankungen, Thoraxtrauma),
- Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit im regionalen Versorgungsnetzwerk (wöchentliche thorax-onkologische Tumorkonferenz),
- Ausbau gemeinsamer wissenschaftlicher Projekte und Publikationen,
- Hospitationen zur Vertiefung minimalinvasiver Techniken (VATS, ggf. Uniportal-VATS) und
- gemeinsame Fortbildungsformate (z. B. thoraxchirurgische Kolloquien).
Bundeswehrkrankenhaus Ulm
Das Bundeswehrkrankenhaus Ulm nimmt als zertifiziertes Lungenkrebszentrum eine Sonderstellung ein. Die umfassende thoraxchirurgische Infrastruktur ermöglicht eine vollständige Abbildung der Weiterbildungsordnung sowie eine hohe Fallzahl bei Operationen. Damit ist Ulm derzeit der einzige Standort im Sanitätsdienst, an dem resezierende thoraxchirurgische Eingriffe regelmäßig durchgeführt werden.
Im Rahmen der militärchirurgischen Ausbildung werden dort die Rotationsassistenten je nach Ausbildungsstand in Teilschritten an die thoraxchirurgischen Eingriffe operativ herangeführt; insbesondere sind hier die Durchführung und der Verschluss der Thorakotomien zu erwähnen. Trotz der Notwendigkeit, in der hochspezialisierten onkologischen Thoraxchirurgie minimalinvasive Verfahren anbieten zu müssen, haben offene Verfahren weiterhin in der Gesamtzahl ihren Stellenwert und können damit die Anforderungen des Einsatzes erfüllen. Es gilt sicherzustellen, dass neben der Exzellenz in der spezialisierten Versorgung auch einfache, robuste und ressourcenarme Verfahren trainiert werden.
Diskussion und Ausblick
Die dargestellten Unterschiede zwischen den Standorten verdeutlichen, dass eine einheitliche thoraxchirurgische Ausbildungsstrategie innerhalb der Bundeswehr derzeit nicht realistisch ist. Vielmehr bedarf es eines modularen Ansatzes, der die jeweiligen strukturellen Gegebenheiten berücksichtigt und zugleich ein gemeinsames Ausbildungsziel verfolgt. Dieses Ziel ist der militärchirurgisch kompetente Chirurg, der thoraxchirurgische Krankheitsbilder sicher beherrscht, auch wenn kein Spezialist verfügbar ist.
Langfristig wird es notwendig sein, zivile Mindestmengenregelungen, militärische Ausbildungsbedarfe und die einsatzchirurgische Realität stärker miteinander zu verzahnen. Dazu gehört auch die Anerkennung, dass militärische Ausbildung nicht ausschließlich an zivilen Versorgungsstrukturen gemessen werden kann. Rotationsmodelle, standortübergreifende Ausbildungsverbünde und eine stärkere Gewichtung einsatzrelevanter Verfahren in der Weiterbildung könnten hier einen gangbaren Weg darstellen.
Fazit
Thoraxchirurgische Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation der Militärchirurgie. Die Bundeswehr verfügt mit ihren vier Krankenhäusern über unterschiedliche, sich ergänzende Ausbildungsstrukturen. Diese Vielfalt bietet Chancen, erfordert jedoch eine klare strategische Steuerung. Nur durch gezielte Kooperationen, innovative Ausbildungsmodelle und eine konsequente Ausrichtung an der Einsatzrealität kann die thoraxchirurgische Ausbildung nachhaltig sichergestellt werden.
Literatur
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Manuskriptdaten
Zitierweise
Westerfeld A, Abazid A, Wöhler A, Sölter J. „Train to fight“ – Die Rolle der Thoraxchirurgie in der militärchirurgischen Ausbildung der Bundeswehr. WMM 2026;70(4):156-160.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-864
Für die Verfasser
Flotillenarzt Dr. Andreas Westerfeld
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
Lesserstrasse 180, 22049 Hamburg
E-Mail: andreaswesterfeld@bundeswehr.org
Manuscript Data
Citation
Westerfeld A, Abazid A, Wöhler A, Sölter J. [“Train to Fight” – The Role of Thoracic Surgery in Military Surgical Training within the Bundeswehr]. WMM 2026;70(4):156-160.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-864
For the Authors
Commander (Navy MC) Dr. Andreas Westerfeld
Department of General Surgery
Bundeswehr Hospital Hamburg
Lesserstrasse 180, D-22049 Hamburg
E-Mail: andreaswesterfeld@bundeswehr.org