Bericht von der 8. ARKOS-Tagung im Kloster Banz
In guter kameradschaftlicher und professioneller Atmosphäre fand im Kloster Banz vom 15. bis zum 17. Juni 2026 die 8. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft konservativ tätiger Sanitätsoffiziere (ARKOS) statt. Der Kongressort, hoch auf einem Berg im schönen Oberfranken bei Bad Staffelstein gelegen, bot ideale Voraussetzungen für einen intensiven wissenschaftlichen Austausch der 140 Teilnehmenden. Das Programm der ARKOS 2026 war vom Team um die Kongresspräsidentin, Oberfeldarzt Dr. Trixi Braasch vom Bundeswehrkrankenhaus Berlin, mit großem Engagement zusammengestellt worden. Das Motto lautete „Jenseits der Routine – (Be)Handeln unter Spannung“.
Die Tagung begann am Montagnachmittag schwungvoll mit der Ansprache von Oberfeldarzt Dr. Trixi Braasch sowie den Grußworten der Vorsitzenden der ARKOS, Oberstarzt Dr. Nicole Müller aus Berlin, und des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V., Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert (Abbildungen 1a-c). Alle betonten die Bedeutung der ARKOS als Organisation und Zusammenschluss konservativer Fächer, die innerhalb der DGWMP eine zahlenmäßig große Gruppe bilden. Der Präsident dankte ausdrücklich allen, die den Kongress in Vorbereitung und Durchführung unterstützt haben, und natürlich auch der Industrie, die die begleitende Ausstellung ermöglichte.
Abb. 1:(oben) Die Kongresspräsidentin, Oberfeldarzt Dr. Trixi Braasch, (Mitte) die Vorsitzende der ARKOS, Oberstarzt Dr. Nicole Müller, (unten) der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V., Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert
Im Anschluss hielt der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, seinen Lagevortrag (Abbildung 2). Er eröffnete mit den Herausforderungen der konkurrierenden Patientenversorgung im gesamtstaatlichen Ansatz für den Fall der Bündnis- und Landesverteidigung in Deutschland. Dieses Szenario bildet die Grundlage für die weiteren strategischen Planungen des Sanitätsdienstes, auch im Sinne der Allianzen mit anderen Gesundheitseinrichtungen. Danach richten sich derzeit auch die notwendigen Weiterentwicklungen und Strukturanpassungen der Bundeswehrkrankenhäuser aus. Die Gesundheitsversorgung im Frieden, in der Krise und im Krieg wird zunehmend zur gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Im Bereich der Personalwirtschaft des Sanitätsdienstes werden aktuell Defizite verzeichnet, die bei wachsenden Aufgaben zur Überdehnung des vorhandenen Personalkörpers führen. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen trägt darüber hinaus zur Verschärfung der Personallage bei. Weitere dringliche Handlungsfelder, die im Lagevortrag dargestellt wurden, sind die resiliente Sanitätsmateriallogistik mit Versorgungssicherheit und Lagerhaltung, die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr sowie Aspekte der Frauengesundheit im Frieden und im Krieg. Dennoch konnte, wer den Befehlshaber kennt, jeder aus seiner Rede trotz bestehender Defizite grundsätzlich eine positive Grundstimmung erkennen.
Abb. 2: Der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, hält seinen Vortrag zur Lage.
Den Festvortrag der ARKOS-Tagung hielt der ehemalige Inspekteur des Sanitätsdienstes der Britischen Streitkräfte, Generalleutnant a. D. Prof. Martin Bricknell (Abbildung 3). In seinem historischen Rückblick verwies er darauf, dass es sich durchaus lohnt, in die Geschichte der Institutionen zu schauen, wenn man Resilienz entwickeln will. Darüber hinaus machte er klar, dass die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität eines Systems eine wichtige Rolle in Konflikten und Krisen spielen.
Abb. 3: Generalleutnant a. D. Prof. Martin Bricknell, ehemaliger Inspekteur des Sanitätsdienstes der britischen Streitkräfte
Der Nachmittag wurde vom Forum Allgemeinmedizin gestaltet. Die Sitzung mit dem Titel „Wissenschaft in der ambulanten Versorgung“ unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Frese aus Halle und Flottenarzt Dr. Andreas Dierich aus Neubrandenburg präsentierte die verschiedenen Möglichkeiten, wie man in der ambulanten Versorgung wissenschaftlich tätig sein kann. Solche Forschungsaktivitäten sind im Sanitätsdienst besonders wichtig und sollten künftig noch stärker gefördert werden.
Der zweite Kongresstag am 16. Juni 2026 präsentierte die vielfältigen Einzelveranstaltungen und Sitzungen, die die ARKOS als Arbeitsgemeinschaft ausmachen. Besonders neu war, dass die Veterinärmediziner des Sanitätsdienstes einen Workshop zum militärischen Veterinärwesen und zur zivilen Zusammenarbeit unter LV/BV-Bedingungen durchführten. Dieser Workshop deckte eine breite Palette an Themen ab, darunter Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Tierseuchenprophylaxe, Tierschutz sowie Tierbehandlung in Krisen und Kriegen.
Auch die anderen diskutierten Themen waren äußerst spannend und lehrreich und boten einen hohen Erkenntnisgewinn: beispielsweise die Innovationen zu chronischen Erkrankungen und deren Einfluss auf die Einsatzfähigkeit. Zudem gab es einsatzspezifische Praxiserfahrungen bei Erfrierungen, Trenchfoot und vielen weiteren Themen, die durchaus neue Einsichten boten. Bis zum Abend hin wurden insgesamt sechs Einzelseminare angeboten. Die Gebiete reichten von wissenschaftlichen Arbeiten über Rehabilitation, Frauengesundheit und zahnärztliche Notfälle bis hin zu Ethical Decision Making.
Der dritte Kongresstag wurde mit einem frühmorgendlichen Geländelauf unter der Leitung von Generalstabsarzt Dr. Jürgen Meyer, dem Kommandeur der ambulanten Versorgung, gestartet.
Die Siegerehrung der interessanten Posterausstellung mit 16 Teilnehmenden ergab die nachfolgenden Preisträger (Abbildung 4). Beim ARKOS-Nachwuchswettbewerb haben gewonnen:
Alle Preisträger des Posterwettbewerbs neben den Funktionären (ohne Dienstgrad) v.l.n.r. Becker, Weilandt, Braasch, Petersen, Vandersee, Schlie, Hoitz, Meyer
1. Preis: Flottillenarzt Dr. Weilandt, Hilden: KI-gestützte Auswertung von Behandlungsdokumenten.
2. Preis: Stabsarzt Petersen und Oberfeldarzt Dr. Braasch, Berlin: 33 Stunden Nüchternheit – Kumulative Nahrungskarenz auf einer gastroenterologischen Station.
3. Preis: Jennifer Schlie et al., München: Anwendung hormoneller Kontrazeptiva und Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit bei deutschen Soldatinnen.
Der Preis der Soldatentumorhilfe Hamburg für das beste onkologische Poster wurde vergeben an: Oberstabsarzt Dr. M. Conrad et al., Berlin: Inzidenz von Hautkrebs und Präkanzerosen bei militärischem Personal. Der Dank geht an die Organisation und die Jurymitglieder, die sich für diesen hochkarätigen Posterwettbewerb engagiert haben.
Im weiteren Verlauf des Vormittags hielt Generalstabsarzt Dr. Jürgen Meyer seinen Impulsvortrag mit dem Titel „Allgemeinmediziner – Säule des Sanitätsdienstes“ (Abbildung 5). Darin sprach er ausführlich über die ambulante Versorgung und deren Weiterentwicklung bis hin zur Kriegstüchtigkeit. Ziel ist es, die Streitkräfte qualitativ exzellent und durchhaltefähig zu unterstützen. Hierbei zählen besonders die Kohäsion und die Verlässlichkeit. Die Ausführungen gaben insgesamt einen guten und klaren Überblick über die strategischen Ziele für die nächsten Jahre und natürlich auch über die bestehenden Herausforderungen.
Abb. 5: Generalstabsarzt Dr. Jürgen Meyer
Den Abschluss des Kongresses bildete eine sehr informativ gestaltete Sitzung über die Langzeitfolgen von Kriegsverletzungen in den Gebieten Pulmonologie, chronischem Hirntrauma und kardiovaskulären Spätfolgen. Das ARKOS-Organisationsteam um Flottenarzt Dr. Joachim Koch und Oberfeldarzt Dr. Trixi Braasch verabschiedete die Teilnehmenden mit den besten Wünschen und Dank an alle Unterstützer. Ein besonderer Dank geht an das Bundessprachenamt in Hürth, namentlich Frau Bianca Arias, die die fachspezifische Übersetzungen übernommen hat.
(Alle Bildrechte: Thilo Pulpanek, Berlin)
Generalarzt a. D.
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